Die Suche nach dem Ich

  • Miriam saß am Küchentisch der gemeinsamen Wohnung von Pengel, Janjunatus und ihr. Vor ihr lagen mehrere Zettel. Auf dem ersten standen die Bestellungen, die Kunden bei ihr gemacht hatten, auf dem zweiten notierte sie, was sie selbst dafür alles brauchte und überlegte, von wem sie was bekäme. Auf dem dritten notierte sie, welche eigenen Bestellungen sie schon durchgeführt hatte.

    Sie seufzte tief. Die Reusen waren immer ein Problem. Alle wollten Krebse, aber keiner wollte Reusen zum üblichen Preis herstellen. Miriam legte den Kopf in die Hände und schaute über die Listen. Sättel waren auch immer beliebt. Sie hatte aber kein Leder mehr. Das bedeutete, sie müsste auch auf die Jagd. Wer könnte ihr Steinpfeile liefern?

    Miriam hörte die Standuhr im Nachbarraum schlagen. War schon wieder eine Stunde vorbei? Sie hatte diese Stunde noch nichts gegessen. Also stand sie auf und holte sich ein Brötchen aus dem Brotkorb und einen Teller Krebssuppe aus dem Topf, der über dem Küchenfeuer simmerte. Pengel sorgte gerne für das leibliche Wohl aller Bewohner. Frisches Essen war immer vorhanden. Die Suppe war lecker, aber Miriam war eigentlich nicht hungrig. Trotzdem hielt sie sich an das, was sie hier in Simkea gelernt hatte: Wann immer möglich wird jede Stunde gegessen oder getrunken. So nahm sie dann auch einen Becher Apfelsaft und trank ihn dazu. Der Becher war verdächtig rissig. Deshalb schrieb sie einen neuen Becher auf ihre Liste.

    Eigentlich sollte sie heute Abend noch mit der Arbeit beginnen, aber das Essen hatte sie eher müde als dynamisch gemacht und so entschied sie sich, heute lieber noch zu Hause zu bleiben. Aber erst einmal mussten diese Listen fertig werden...

  • Letzte Nacht war sie irgendwann aufgewacht und hatte feststellen müssen, dass sie über ihren Listen eingeschlafen war. Alles tat ihr weh. Sie schleppte sich zu ihrem gemütlichen Bett. Doch dort konnte sie nicht wieder einschlafen. Die Aufträge schwirrten ihr im Kopf herum. Hatte sie genug Kupfernieten? Wie gut war der Hammer noch, der bei Blue im Lager lag? Gab es noch Garn in der Kiste? Mit welchem der Aufträge sollte sie anfangen? Die Delphinskulptur, die Jan für sie angefertigt hatte und neben ihrem Bett stand, schien ihr unentwegt Fragen zu stellen, die Miriam nicht beantworten konnte.
    Es dämmerte schon, als sie endlich wieder Schlaf fand und dann träumte sie von einer empörten Kundin, der die Farbe der Kleidung, die sie gefärbt hatte, nicht gefiel. "Ich wollte doch keinen melonengelben Umhang, sondern einen sonnengelben" rief ihr diese zu. Miriam hatte das Gefühl, dass sie diese Frau aknnte, aber im Traum entwich ihr der Name. Also mischte sie erneut ihre Farben, aber als sie sich wieder umdrehte, war der Kessel umgekippt und der ganze Platz war mit gelber Farbe überschwemmt. Jetzt schimpften alle auf sie ein und sie wachte schweißgebadet auf.
    Die Sonne draußen stand schon im Zenit, aber sie konnte sich nicht recht motivieren, aufzustehen. Sie fühlte sich überfordert. Wann hatte sie eigentlich zuletzt hier in diesem Bett geschlafen? Sie würde sich heute Nachmittag in der Badewanne entspannen und dann morgen sauber und mit neuer Frische beginnen.

  • Das Schaumbad gestern hatte ihr gut getan. Jetzt war es wirklich an der Zeit, wieder loszulegen. Im Flur stand ein Weidenkorb voller Äpfel und einer voller Beeren. Bei den anderen Bestellungen fehlten hier und da noch Rohstoffe, um die sie sich kümmern musste, aber Saften war eine Aufgabe, die nur ihre Muskelkraft benötigte. Außerdem waren einige der Äpfel bereits sehr reif und sie hatte Angst, dass sie verkommen, wenn sie jetzt noch länger damit wartete. Ihr Pferd war ihr vorgestern davongelaufen, aber Miriam liebte es genauso, zu Fuß zu gehen. Und da sie jetzt sowieso bis zum Bauernhof musste, konnte sie auf dem Weg auch noch die Apfelbäume und Blaubeerbüsche abgehen und schauen, ob dort wieder Früchte reif waren. Angenehmerweise war das der Fall.


    Hinter dem Blaubeerbusch ging es zum Portal, wo Wilson stand. Miriam wurde klar, dass sie in der Regel dem alten Mann nur kurz zuwinkte und dann weiterhastete. Hatte sie sich nach ihrer Ankunft vor so vielen Jahren eigentlich jemals mit Wilson unterhalten? Deshalb ging sie zu ihm herüber. "Hallo Wilson, wie geht es Dir?". "Vielen lieben Dank, dass Du fragst, Miriam. Ich will mich nicht beklagen, ich bin so froh, hier auf Simkea zu sein. Jeden Tag begrüße ich die verängstigten Wesen, die von Noröm kommen und bin so dankbar. Aber kaum jemand außer den Neuen redet mit mir. Alle sind immer in Eile.Seitdem man die Pferde zähmen kann, ist es sogar noch schlimmer geworden. Gerade weil ich alle begrüße, wäre es so schön zu erfahren, wie es den Leuten ergangen ist."

    Wilson schaute so traurig, dass Miriam sofort das Herz weh tat."Weißt du was, ich bleibe den Rest des Tages hier und erzähle Dir, was ich erlebt habe und von den anderen, die ich so kenne. Zwischendrin gucke ich noch nach den Büschen und Bäumen, je mehr Obst ich habe, desto mehr lohnt sich das Saften." Also schnallte Miriam den Rucksack und die Weidenkörbe ab und bereitete alles für ein gemütliches Picknick mit Wilson vor.

  • Es war ein sehr unterhaltsamer Nachmittag mit Wilson gewesen. Er war nicht nur ein sehr aufmerksamer Zuhörer, er konnte auch selbst sehr spannende Anekdoten beitragen. Jetzt hatte sie allerdings ein schlechtes Gewissen, weil sie schon wieder einen Tag verloren hatte und mit ihren Aufträgen immer noch nicht vorangekommen war.

    Ohne weitere Umwege strebte sie deshalb auf den Bauernhof zu. Als sie sich dem zentralen Gebäude näherte, winkte Isabell ihr zu. "Na, wie geht es Dir, Miriam? Was macht Euer Schrebergarten?" Der Garten!! Miriam erfasste Panik. Jan hatte sie doch gebeten, nach den Krummfrüchten zu schauen. Das war schon eine ganze Weile her. Die wachsen ja auch so langsam. Aber dann hatte sie irgendwie vergessen, diesen Auftrag auf ihren Listen einzutragen. Sie ließ das ganze schwere Gepäck bei Isabell und rannte so schnell sie konnte nach Nordwesten.

    Mit zitterden Händen schloss sie die Gartentür auf. Vor ihr bot sich ein Bild des Elends. Nur zwei Bäume hatten noch Samen an den Ästen, alle anderen waren tot und konnten nicht mehr geerntet werden. Eine ganze Krummfruchternte war fast vollständig dahin. Und das war alles ihre Schuld. Sie wusste, Jan würde nicht schimpfen. Das tat er nie. Aber das änderte nichts daran, dass sie das hier so richtig gründlich verbockt hatte. Tränen des Frustes stiegen ihr in die Augen. Sie setzte sich auf den Lehmboden, achtete dabei nicht auf ihre Kleidung und weinte bitterlich über ihre Unzulänglichkeit.

  • Nachdem der Weinkrampf zu Ende war, hatte Miriam zur Schadensbegrenzung alle Felder wieder umgegraben und die Samen, die sie hatte retten können, wieder ausgesät. Jan hatte sie eine Taube geschickt, damit er von der Misere erfuhr. Abends hatte sie dann einfach nur völlig erschöpft ihren Schlafsack am Rande des Feldes ausgerollt und dort geschlafen, nicht jedoch ohne vorher dreimal zu prüfen, ob das Tor zu war, damit zumindest keine Vandalen das neue Feld verwüsteten.

    Am Morgen war sie nun zu Isabell zurückgegangen und hatte ihr gedankt, dass sie auf ihre Sachen aufgepasst hatte. Als Miriam ihr dann von dem Zustand des Feldes berichtete, kamen ihr erneut die Tränen. Was war denn bloß mit ihr los? So kannte sie sich überhaupt nicht. Sie wollte auf keinen Fall von Isabell bemitleidet werden. Und so wischte sie sich die Tränen schnell aus dem Gesicht und wehrte Isabells Nachfragen fast unwirsch ab. Diese zuckte nur mit den Schultern und Miriam zog weiter zur Saftpresse, um sich endlich darum zu kümmern, wozu sie vor 2 Tagen losgezogen war.

    Sie krempelte die Ärmel hoch und begann mit dem Saften. Normalerweise stellte sich bei dieser Arbeit ein angenehmes Gefühl ein, die montone Arbeit war fast wie eine Meditation. Doch heute stellte sich die Ruhe bei der Arbeit einfach nicht ein. Viele Äpfel waren angeschimmelt und sie musste sie wegwerfen. Das führte nicht nur zu deutlich weniger Saft als sie kalkuliert hatte, es brachte sie vor allem ständig aus dem Rhythmus. Nun ja, sie konnte nur sich selbst dafür die Schuld geben und zumindest konnte sie diese Tätigkeit endlich von ihrer Liste streichen.

  • Als Miriam aufwachte, guckte sie in die Augen von zwei Tauben. Eine brachte die Nachricht, dass eine Reuse für sie am Marktplatz wartete. Endlich einmal etwas Erfreuliches! Die zweite Nachricht war eine neue Anfrage, ob sie Wildpferde einfangen könne. Miriam seufzte. Ein weiterer Punkt auf ihrer Liste. Würde sie nie kürzer werden? Da sie keine Seile mehr hatte, müsste sie erst einmal Hanf besorgen, bevor sie auf Pferdejagd gehen konnte. Sie schrieb sich "Seile & Pferde" auf. Also jetzt ging es erst einmal zurück nach Trent. Sie schulterte ihre Habseligkeiten, der Saft ist deutlich leichter als die ganzen Früchte auf dem Hinweg. Es hatte auch etwas Gutes, dass sie so viele Früchte gestern wegwerfen musste, dachte sie mit etwas Ironie.

    Auf dem Weg zurück sah sie einige wilde Pferde. Wäre sie doch nur eine Pferdeflüsterin, damit die Pferde ihr einfach nach Trent nachliefen, ohne dass sie sie mühsam einfangen müsste. Am Markt wurde Miriam von einer Party überrascht. Irgendwer hatte ein großes Buffet aufgebaut, in der Mitte ein Kuchen. Der Großteil fehlte allerdings bereits, und an der Anzahl der Leute auf dem Markt konnte man erkennen, dass die Party schon eine Weile in Gange war. Miriam wollte nur schnell ihre Reuse aus dem Lager holen, doch so einfach kam sie nicht davon, denn einer ihrer Kunden hatte sie erspäht. Wo sie nun da stand und jemand ihr fröhlich zuprostete, erkannten andere sie auch und meldeten sich bei ihr. Jeder wollte etwas Anderes: Neue Bestellungen, Nachfragen nach alten, Rückmeldungen auf ihre eigenen Aufträge und Anfragen, ob sie nicht dies oder jenes kaufen wolle. Jemand Anderes drückte ihr ein Bier in die Hand.

    Miriam hätte am liebsten geschrien! Das war alles viel zu viel. Sie drückte die Reuse an ihren Körper und floh. Sie wusste, dass verärgerte und verunsicherte Blicke ihr folgten, aber das war ihr in dem Moment egal.

  • Sie war nicht nach Hause gelaufen, weil sie Angst hatte, da könnten ihre Freunde sie finden. Es war schon verrückt, sie versteckte sich vor ihren Freunden, aber gerade wollte sie niemanden um sich haben. Stattdessen lief sie zu ihren Lieblingsplatz in Trent: Das Monument. Dort meditierte sie den Rest des Abends, bis sie endlich so viel Ruhe gefunden hatte, um einzuschlafen. Am nächsten Tag wachte sie auf und erfreute sich am Licht, welches durch die Buntglasfenster in das Innere des Monuments fiel. Nach dem Frühstück ging sie rüber, um Camulos zu begrüßen. Dieser nickte ihr zu: "Hast Du Lust auf gemeinsame Übungen und einen Trainingskampf?" Miriam freute sich über Camulos Art. Er war kein Mensch der vielen Worte und sie heute auch nicht. Auch während der Übungen und des Kampfs redeten sie nicht viel.

    Camulos wies sie immer mal wieder auf ihre Haltung hin und rief Miriam Befehle zu, aber darüber hinaus hörte sie nur ihren Atem, der zunehmend angestrengter wurde. Nach dem Training fühlte sie eine angenehme Schwere, auch wenn einige ihrer Muskeln schmerzten. Camulos gab ihr ein Handtuch, damit sie sich den Schweiß aus dem Gesicht wischen konnte. "Was ist denn los mit Dir, Miriam? Du sahst nicht besonders gut aus, als Du gestern hier hereingestürmt bist." Camulos traf genau den richtigen Tonfall, dass sie nicht wieder in Tränen ausbrach, sondern sachlich über die Probleme der letzten Woche berichtete.

    Während sie es aussprach, stellte sie fest, dass ihrer Niedergeschlagenheit bei gleichzeitiger Nervosität schon Wochen vorher begonnen hatte, nur jetzt so deutlich zu Tage trat. Camulos schaute mitfühlend. "Lass mich darüber nachdenken, wie ich Dir helfen kann. Bleib heute mein Gast hier im Monument. Ich habe noch ein paar Kniffe aus dem Jodo, die ich dir zeigen will. Sie passen gut zu Deinem Kampfstil und machen dich noch effektiver." Miriam freute sich über das Angebot und nickte.

  • Am nächsten Tag trainierte sie morgens wieder mit Camulos. Er zeigte ihr, welche Übungen man morgens gut durchführen konnte, um lockerer zu werden und gleichzeitig den Geist zu fokussieren. Danach setzten sie sich zusammen, um zu frühstücken. "Du musst Dein Leben verändern, um voran zu kommen, Miriam. Als erstes solltest Du Deine Aufträge absagen." "Wie, das kann ich doch nicht tun, meine Kunden und Freunde verlassen sich doch auf mich!" antwortete sie entsetzt. "Schreib ihnen, dass du aus Krankheitsgründen die Aufträge leider nicht erledigen kannst, sondern dich wieder bei ihnen meldest, wenn Du wieder gesund bist." "Das kann ich doch nicht tun, ich bin doch nicht krank." "Fühlst Du Dich denn gesund?" Diese Frage überraschte Miriam. Camulos hatte recht: Sie fühlte sich wirklich nicht gesund. "Ich gehe für Dich auf den Markt, Miriam, und dann besorge ich Dir Tauben und Papier, damit Du allen absagen kannst. Was meinst Du?" Miriam seufzte... noch immer fühlte es sich so an, als würde sie damit ihre Freunde verraten, aber solche Ereignisse wie bei der Feier vorgestern würden sie auch von ihnen entfremden. Sie vertraute Camulos und wollte es darauf ankommen lassen. "Also gut, wir machen es so wie Du sagst."

    Nachdem sie den Nachmittag damit zugebracht hatte, all ihren Kunden zu schreiben, setzten sie sich wieder zusammen. Miriam hatte immer noch sehr gemischten Gefühle. Einige ihrer Kunden hatten umgehend sehr verständnisvolle Tauben zurückgeschrieben, aber so ganz beruhigte sie das trotzdem nicht. "Ich denke, Du solltest einige Zeit Trent verlassen. Hier triffst Du einfach zu viele Leute. Wie wäre es, wenn Du zu Troubadix in den Wald gehst? Er hat eine sehr eigene Sicht auf die Welt, die Dir vielleicht auch helfen kann, alles mal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Was denkst du?" Miriam nickte. Sie fühlte sich in der Regel immer wohler, wenn sie sich außerhalb von Trent aufhielt. "Nimm Deine Flöte mit", rief Camulos ihr hinterher, als sie das Monument verließ.

  • Nach einem kleinen Fladenbrotsnack verließ Miriam vor Sonnenaufgang Trent. Die Gassen waren ruhig und verlassen, so sah niemand, wie sie durch das Stadttor ging. Als sie bei Wilson vorbeikam, war gerade die Sonne aufgegangen. Es saß beim Frühstück und sie setzte sich zu ihm. Wilson hatte Pfannkuchen frisch zubereitet und Miriam steuerte etwas Honig bei. Außerdem gab es heißen Dunkelbohnentrank. So gefiel ihr das Leben. Nachdem sie die Frühstücksreste gemeinsam aufgeräumt hatten, machte sie sich auf den Weg zum Wald.

    "Komm immer gerne wieder vorbei", rief Wilson ihr hinterher und sie winkte ihm zustimmend zurück. Auf dem Weg machte sie einen kleinen Umweg und pflückte noch ein paar Äpfel. Sie merkte, dass sie schon wieder ein wenig hungrig wurde und holte Pastete und ein Croissant aus ihrem Gepäck, die sie entspannt im Schatten des Apfelbaumes aß. Danach war es nicht mehr weit bis in den Wald. Die Blätter malten hübsche Schatten auf den Waldboden. Simkea war so wunderschön. Der Blaubeerbusch lud zum Träumen ein, sie setzte sich für ein kleines Nickerchen daneben. Als sie wieder erwachte, sah sie ein paar reife Beeren am Strauch und pflückte sie.

    Als sie diese verpackte, überkam sie der Appetit und sie aß einen Fisch am Stock. Auch wenn sie jetzt viel an Land war, waren doch Fische immer noch ihre Leibspeise. Miriam bemerkte, dass die Sonne schon deutlich über dem Zenit stand und so schulterte sie wieder all ihre Habseeligkeiten, nahm den Essenskorb in die Hand und lief das letzte Stück zu Trubadix. Auf dem Weg zu ihm pflückte sie noch ein paar wilde Erdbeeren. Als sie den Goblin erblickte, der mit seiner Laute musizierte und dazu sang, fühlte sie eine wohlige Wärme. Camulos hatte recht: Sie brauchte nur etwas Abstand und dann würde sich schon alles wieder einrenken.

  • Der Abend mit Troubadix war sehr angenehm gewesen. Miriam und er hatten lange musiziert und sogar ein wenig komponiert. Zum Abendbrot hatten sie nicht, wie Miriam es gewohnt war, eine reichliche Mahlzeit am Lagerfeuer gegessen, stattdessen hatte Troubadix einen Obstkorb zurechtgestellt, aus dem sie sich nebenbei bedient hatten. Entsprechend hungrig war Miriam am nächsten Morgen, so dass sie früh aufstand, um eine umfangreiche Frühstückstafel aufzubauen: Brötchen, Windbeutel, Krummfrüchte, Milchreis und Apfelkuchen standen auf der Picknickdecke. Troubadix erwachte, als sie gerade dabei war, Trinkschokolade aufzuwärmen.

    "Guten Morgen, Miriam. Uhh, wer soll das denn alles essen?" "Na wir natürlich" Miriam musste über diese Frage lachen. "Die Wesen in Simkea essen einfach zu viel, das ist hier eine echte Volkskrankheit." Sie war enttäuscht, dass Troubadix so reagierte.Sie war extra früh aufgestanden und nun bekam sie so einen Dank? "Bitte nimm es nicht persönlich, aber ich bin komplett auf Früchte umgestiegen: Äpfel, Blaubeeren, Erdbeeren und ab und an Kirschen. Seitdem ich diese Umstellung gemacht habe, fühle ich mir viel besser. Und von den ganzen süßen Säften lasse ich auch die Finger. Viele wissen die Reinheit des Wassers gar nicht mehr zu schätzen. Ich habe so lange beobachtet, wie wir uns alle ständig bis zum Hals vollstopfen. Dabei reicht ein Bruchteil der Nahrung aus, damit wir nicht hungern müssen. Die Rohkost der Früchte spart mir auch viel Zeit und Kraft beim Kochen. Klar, nicht jedes Wesen kommt damit aus, aber statt immer 16 verschiedene Gerichte mit sich herumzutragen, ist die Hälfte mehr als genug." Miriam fühlte sich völlig vor den Kopf gestoßen. Tränen des Frustes standen ihr in den Augen. Ohne ein weiteres Wort nahm sie ihren Rucksack und lief in den Wald.