Klamdors Aufgaben und Abenteuer

  • Kapitel 20



    Fremdes Territorium



    Eine kühle Brise weht durch die Äste des bereits fernen Waldes. Mehrere Wochen ist der Fremde Wanderer querfeldein unterwegs, doch zum ersten Mal mit einem Ziel. Vermummt unter einem dunklen Umhang und versteckt unter einer Kapuze ist nur ein langer grauer Bart zu erkennen. Auf dem breiten Rücken trägt er eine Große Tasche, dick befüllt. Unmittelbar neben ihm geht ein muskulöses und robust gebautes graues Pferd, das bereits einige Narben aufweist, umher. Der Sattel ist in kümmerlichem Zustand aber die Taschen daran sind ebenfalls breit gefüllt.


    Ein einzelner Rabe fliegt in den Lüften umher. Die Landschaft ist karg und Hügelig mit seltenen Flüssen und Seen. Grüne Bäume ragen vereinzelt aus dem Boden heraus und zieren die triste Umgebung. Einzelne Pflanzen erblühen zwischen dem gebleichten Gras der beinahe Steppen ähnlichen Gegend.


    “Sunvaar, hast du was entdeckt?” Der Rabe fliegt im Sturzflug auf den Wanderer zu, landet nach einem abbremsenden Flügelschlag auf dessen Schulter und krächzt etwas beinahe flüsternd daher. “Weit und breit nichts, hmm? Das habe ich mir bereits gedacht. Bei diesem Wetter halten unsere Vorräte nicht mehr lange. Ich erwarte keine Städte mit befüllten Märkten, allerdings würde ich gerne etwas anderes Essen als Beeren.”


    Der Rabe Sunvaar krächzt weiter. Ein prächtiger und überdurchschnittlich großer Rabe mit einzelnen weiß-grauen Federn die im sonst so tiefschwarzen Federkleid versteckt sind. Sein Schnabel reflektiert das Intensive Sonnenlicht.


    “Du hast ein paar Rehe im Norden gesehen? Gute Neuigkeiten. Auch falls sie bereits über alle Berge sind, bleibt mir nichts anderes übrig. Flieg du zurück gen Wald, komme erst zurück, wenn du etwas Nahrung gefunden hast, ich vertraue auf dich, hole mich wieder Richtung Westen ein!”

    Mit einem starken Flügelschlag erhebt sich Sunvaar in die Lüfte und fliegt in Richtung Osten zurück auf den Wald zu.


    Der Wanderer wechselt seine Richtung nach Norden auf die Hügelige Landschaft zu. Die Hügel sind einige Meter hoch, so dass man am Fuße dieser nicht hinüber zu sehen vermag. Der Wanderer wirft die Zügel des Grauen Hengstes über einen Ast der aus einem Baumstamm am Rande des ersten Hügels ragt. Ohne weiter zu zögern macht sich der Wanderer nun alleine auf den Weg hinter die Hügel. Hinauf gelangt er in wenigen Minuten jedoch ist weit und breit nicht zu sehen außer weitere Hügel. Keine Bäume, nur wenige Felsen die aus den grünen Höhen herausragen und die Umgebung schmücken. Auf den Spitzen der Anhöhe stehen anmutig einige Gänseblümchen in Gesellschaft einiger wohlriechender Fliederbüsche.


    Der Wanderer hält kurz inne und atmet die frische Luft tief durch seine Nasenhöhlen ehe er sich wieder in Bewegung setzt um die erste Höhe auf der Nordseite wieder herunter zu laufen, um daraufhin eine weitere herauf zuwandern. Nach einigen Minuten, die sich Kräfte zerrend wie Stunden für den Wanderer anfühlten gelang er an die Spitze des Hochlandes. Sein Blick schweift langsam und erschöpft von links nach rechts über ein etwa hundert Meter breites Tal.

    Einige Apfel- und Haselnuss Bäume sowie Lavendel - Büsche zieren das minimalistische Tiefland. Ein einziger voll blühender Blutpflaumen Baum fügt einen herrlichen Kontrast der Umgebung hinzu. Inmitten des Tals liegt ein kleiner See, eine Handvoll Libellen schweben zwischen Mücken und Schmetterlingen darüber. Die Sonne über dem Tal wird von dicken Wolken abgeschwächt.


    “Hab ich dich!”


    Die Ohren angespitzt schlürft ein Rehkitz sichtlich abgekämpft aber genüsslich das Wasser des Sees. Der Wanderer starrt auf das kleine Jungtier und zückt seinen Bogen von seinem Rücken. Während er die Sehne spannt konzentriert er sich auf die Umgebung und versucht zu hören ob in naher Ferne weitere Rehe umher spazieren.


    Kratzen – der Füße einiger Insekten unter des Wanderers Schuhe.

    Summen – der Mücken und Libellen über dem See.

    Rauschen – der Blätter des Gebüschs und der Bäume die im Wind wehen.

    Atmen – des jungen Rehs das gerade den Moment der Ruhe genießt.


    Die Sehne des Bogens bereits voll gespannt und bereit zum Feuern. Das Tier muss wohl von seinen Eltern getrennt worden sein, den dem Wanderer fallen keine anderen Herzschläge auf... die zu einem Reh passen. Er hört einige Schritte in der Nähe, als seine Konzentration von einem Aufschrei des Rehs unterbrochen wird. Es fällt unter sichtlichen Schmerzen zu Boden, aus seinem Hals ragt ein rostiger und verbogener Pfeil. Des Wanderers Blick fällt auf den Hügel gegenüber. Eine gekrümmte Gestalt in metallener Rüstung mit gezogenem Bogen ragt aus der Anhöhe heraus. Dem leisen Gurgelnden kichern zu urteilen handelt es sich um einen Ork.

    Der Wanderer seufzt leise in sich hinein und korrigiert seine Bogenausrichtung auf den Hügel. Er lässt die Sehne los und der Pfeil fliegt durch die Lüfte. Es dauert eine gute Sekunde bis der gezielte Schuss des Wanderers das Monster gegenüber trifft und in mit Schwung die andere Seite des Hügels herunterrollen lässt.


    “Dann gibt es halt Menschenfleisch” wird in unmittelbarer Nähe hinter dem Wanderer geflüstert. Dieser dreht sich um und wird von zwei bereits auf ihn zu schwingenden rostigen Klingen empfangen. Ebenfalls Orks. Ein gurgelndes Geräusch kommt aus ihren schwarz unterlaufenen entstellten Mündern. Zähne fehlen und einige Narben verlaufen quer über ihre Gesichter. Die Augen sind farblos und kalt aber weit aufgerissen und gefüllt mit Hunger und Hass. Einer der beiden hat eine verdrehte Nase, während dem anderen das rechte Ohr fehlt und durch eine Metall Apparatur ersetzt wurde. Der Wanderer zückt im selben Moment sein Schwert aus der Scheide. Der Griff, glänzend lackiert, bestehend aus dunklem braunen Holz, geschmückt von einem kleinen weißen Totenkopf als Knauf. Die Parierstange aus Stahl verläuft in einer geraden Linie auf der Klingen - Seite und geschwungen auf der Heft - Seite. Eine Schwarze metallene Klinge ragt aus dem Heft heraus, jedoch nur wenige Zentimeter, denn die Klinge ist zerbrochen.


    Das zerbrochene Schwert reicht aber aus, um die Angriffe der Orks zu parieren und diese kurz zurück zu schlagen. Plötzlich fängt die kaputte Klinge an zu beben und zu leuchten. Die Orks starren auf das Schwert, während sich ein weißer Wirbel darum bildet der eine Art Geisterklinge erzeugt und das Schwert wieder vervollständigt. Die Klinge leuchtet weiß und ist leicht transparent, dennoch wirkt sie mächtig und gefährlich. In einem Schwung enthauptet der Wanderer beide Orks. Die Köpfe fallen zu Boden und deren Körper auf die Knie um schließlich beinahe Synchron auf die Seite weg zu kippen. Regungslos bleiben sie liegen, während ihre Köpfe die Anhöhe herunterrollen.


    Die weiße Klinge verschwindet wieder im Wind und hinterlässt das zerbrochene Schwert, das vom Wanderer wieder eingesteckt wird. Er packt sein Bogen über die Schulter und läuft den Hügel hinunter Richtung See. Die Wolken lichten sich, die Sonne trifft auf die immer noch so idyllische Umgebung. Er zieht den Pfeil aus dem Kitz und wirft ihn zur Seite. Das junge Reh keucht und quält sich noch krümmend vor Schmerz auf dem Boden, als der Wanderer sein Messer zückt, um es von seinen Qualen zu erlösen. “Orks... so weit draußen auf dem Land... was ist das für ein verrückter Ort?” Der Wanderer setzt seine Klinge an die Wunde, welche das Reh zuvor erlöst hatte, und fängt an fein säuberlich die Haut vom Fleisch zu trennen. “Tut mir leid, dass du leiden musstest kleines, ich hätte es schmerzlos beendet. Jetzt wirst du deine Eltern wieder sehen... “. Er seufzt wieder in sich hinein und schaut kurz in Richtung Himmel.


    “Wenn das ein Omen ist, auf das, was mich in Ferdok und danach erwarten wird, bin ich gespannt, wer sich solchen Bedrohungen in den Weg stellt und ob es diesem Klamdor bewusst ist wie ernst die Lage bereits ist. Ich muss mich beeilen, die Vorräte reichen jetzt bis nach Ferdok.


    Es ist nicht mehr weit...!”





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  • Kapitel 21



    Auf Erkundungsflug


    Während sich die Zwerge auf die Reise nach Ferdok, der Hauptstadt der namensgleichen Grafschaft Ferdok, vorbereiteten, übernahm Loulu, so wie sie es Albrax versprochen hatte, die Aufgabe den Weg zu erkunden. Die Reise sollte in Eisenhuett starten, einer großen, sehr hoch gelegenen Bergbaustadt, am Roterzpass. Neben den zahlreichen Schmieden, gab es hier auch drei Tempel, von denen besonders der Firuntempel, auch Wintertempel genannt, Loulu besonders gefiel, was wohl der Tatsache geschuldet war, dass hier zu dieser Jahreszeit fast nie etwas los war. Ganz anders als am beliebten Ingrimmtempel, wen sollte das auch wundern, bei den vielen Zwergen, die sich hier tummelten, und auch der Wegtempel, beliebt bei Pilgern und Wanderern, war recht belebt.


    Loulu begab sich also zum Firuntempel, stieg den Turm hoch und nahm ihre Krähengestalt an, immer noch überrascht, wie einfach ihr die Verwandlung in diesen fremden Landen fiel. Von hier hatte man eine atemberaubende Aussicht. Nach Westen und Osten erstreckten sich die markanten, zum Teil 4000 Fuß hohen Bergzüge des Amboss, von karger Schönheit und bedeckt vom ewigen Gletschereis.


    Dort wo die Berge nicht von Schnee und Eis bedeckt waren, konnte man den charakteristischen

    braun-roten Granit sehen, der dem Pass anscheinend seinen Namen verliehen hatte. Im Süden lag die Straße, die zu Ferdoks Nachbarprovinz Almada führte, im Norden die, Richtung

    Hauptstadt, hier würden die Zwerge ihren Weg starten. So erhob sich Loulu in nördliche Richtung in die Luft. Mit wachsamen Blick überflog sie die Passstraße, die entlang dem Lauf der im Amboss entspringenden Warna folgte. Außer dem Rauschen des wilden Bergbachs, war kaum etwas zu hören. Nach einer Weile erreichte sie den Rand des Gebirges, wo sich die enge Passstraße in ein weitläufiges Waldgebiet öffnete. Sie ließ die letzten steilen Klippen hinter sich und überflog mehrere Lichtungen.


    Bald konnte sie den Geruch von brennendem Holz wahrnehmen und kurz darauf gelang es ihr auch schon seine Quelle ausmachen. Auf einer weiteren Lichtung in einem sonst sehr dichten Nadelwald konnte sie ein brennendes Feuer sehen. Um das Feuer saß eine kleine Gruppe Orks, fünf Stück an der Zahl. In den Geruch des Feuers mischten sich nun auch der Geruch von gebratenem Fleisch und ebenso der ekelerregende Geruch, der so typisch für diese Wesen war. Eine wahrlich unangenehme Mischung.


    Sie saßen ums Feuer, das sie inmitten der von Büschen gesäumten Lichtung gemacht hatten, auf der sonst nur ein paar unterschiedlich große Felsen lagen, und schienen zu essen,... oder doch eher zu fressen? Loulu flog etwas näher an die Gruppe heran und landete auf dem Wipfel einer größeren Tanne. Sie lauschte den grunzenden und schmatzenden Lauten der Orks und erkannte keine Worte. Der wilde Haufen war wohl voll und ganz in sein Mahl vertieft. Und so beschloss sie kehrt zu machen, um die Zwerge zu warnen. Wenn sie sich beeilten, würden sie den kleinen Trupp vielleicht noch überraschen können, während sie ihr Mahl zu sich nahmen. Das würde die unweigerlich blutig endende Begegnung für die Zwerge eventuell begünstigen.


    Nach einiger Zeit erreichte Loulu wieder den Anfang des Roterzpasses, wo sie schon von weitem

    zwergentypische Geräusche hören konnte. Stampfen, Scheppern, Grölen. Bei letzterem dachte sie bei sich, dass Klamdor es wohl Singen nennen würde und grinste innerlich. Und dann sah sie auch schon den kleinen Trupp Zwerge, auf den sie zielstrebig zusteuerte. Beim Landen nahm sie ihre Menschengestalt an und lief noch ein kleines Stückchen weiter, um den Schwung abzufangen bis sie schließlich vor der Zwergengruppe zum Stehen kam.


    Sie grüßte die Zwerge in gebrochenem Rogolan und wandte sich dann an Klamdor. Es würde ihr wohl leichter fallen, ihren Bericht in simkeanischer Sprache zu formulieren, sollte er doch möglichst schnell und knapp vorgetragen werden. Sie küsste Klamdor schnell zur Begrüßung und erklärte dann, wo genau jede Lichtung mit den Orks zu finden war. Sie endete ihre Rede mit der dringlichen Warnung doch etwas leiser zu reisen, bis sie die Orks erreicht hatten, denn nur so könne man diese überraschen. Die Biester waren zwar nicht gerade feinfühlig, aber ihr Gehör war nicht schlecht. Im Wissen, dass ihre Warnung höchstwahrscheinlich nicht viel nutzen würde, machte sie sich innerlich bereit im Notfall in das bevorstehende Scharmützel einzugreifen.





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  • Kapitel 22


    Der Weg nach Ferdok



    Die vier Zwerge hatten sich verabschiedet und waren mit allerlei Proviant und bis an die Zähne

    bewaffnet aufgebrochen. Bis Ferdok war es ein Marsch von circa drei Tagen, wenn nichts

    dazwischen kam. Zuerst gingen sie schweigend den Pass entlang. Der Warna nach Norden folgend, überquerten sie einen kleinen Steg, vorbei an den Ausläufern des Amboss Gebirges. Sie konnten schon die ersten kleinen Waldgebiete erkennen, als Girlik ein zwergisches Marschlied zu singen begann. Balum ging schweigend am Schluss des kleinen Trupps, die Umgebung immer

    beobachtend und raunte Klamdor zu: „Das ist der Eberswald, etwas düster und Sagenumwoben.

    Hier sollen sogar Trolle hausen. Ich habe aber noch keinen gesehen.“


    Klamdor bemerkte, wie etwas auf sie zukam. Dann erkannte er Loulu als Krähe, die auf sie zuflog

    und beim Landen wieder ihre menschliche Gestalt annahm. Es war immer wieder faszinierend es

    mit anzusehen. Sie lief noch ein paar Schritte auf die Zwerge zu, stoppte vor Klamdor, grüßte die

    Gruppe und küsste ihn. Klamdor erwiderte den schnellen Kuss. Dann horchten sie aufmerksam, was Loulu ihnen berichtete. Girlik grinste schon bei den Worten Orks. Seine Hände glitten zu den

    Wurfbeilen. Loulu verwandelte sich wieder und flog wieder voraus. „Es ist wohl besser, wir sind

    etwas leiser und überraschen sie. Wir können uns keine Verletzungen leisten. Lieber einmal aus dem Hinterhalt zuschlagen.“ Die anderen nickten.


    Sie machten sich auf den Weg zur Lichtung und versuchten so leise, wie es ihnen möglich war, zu

    sein. Kurz bevor sie ihr Ziel erreichten, hob Klamdor die Hand. Der Geruch des Feuers lag in der

    Luft. Er deutete auf Girlik und Balum: „Ihr beide umgeht die Orks, so dass ihr im Rücken dieser

    Kreaturen auftaucht. Barlok und ich schleichen uns etwas näher heran.“ flüsterte Klamdor.

    „Wenn ihr dann soweit seid, schlagt ihr als erstes zu.“ Die beiden nickten und machten sich davon.

    Klamdor und Barlok schlichen näher heran. Bald konnten sie die fünf am Lagerfeuer entdecken.

    Auch der Geruch, der von den Orks ausging, stieg ihnen in die Nase. Sie duckten sich hinter den Hollerbüschen, die hier wuchsen und beobachteten das Geschehen. Ein Ork, es schien sich um den Anführer zu handeln, wurde plötzlich unruhig. und blickte sich um. Barlok flüsterte zu Klamdor: „Sie müssten es jetzt geschafft haben.“ Klamdor nickte.


    Dann ging es blitzschnell. Balum schoss einen Bolzen mit seiner Armbrust ab, während Girlik seine Wurfbeile einsetzte. Der erste Ork wurde von dem Bolzen in den Hals getroffen und fiel gurgelnd in sich zusammen noch bevor er sich erheben konnte. Girliks Wurfbeil blieb zitternd im Hinterkopf des zweiten Orks stecken. Blut ergoss sich auf die Erde. Die beiden anderen erhoben sich, der Anführer drehte sich um, da fiel der dritte Ork nach hinten in das Feuer hinein. Aus seiner Stirn ragte ein weiteres Wurfbeil. Klamdor und Barlok stürmten aus ihrer Deckung und jagten auf die beiden übrigen zu. Die Orks hatten vollkommen die Kontrolle verloren. Sie schrien auf und wollten fliehen. Barlok und Klamdor waren schneller. Während Barlok mit der Skraja den vierten Ork tötete, stürzte sich Klamdor auf den vermeintlichen Anführer. Mit dem Orkenspalter schlug er zu und köpfte ihn. Der Angriff hatte keine zwei Minuten gedauert. Alle Orks lagen Tod auf der Erde, einer im Feuer. Diesem gab Balum einen Tritt damit er aus der Glut heraus rollte.

    Loulu beobachtete das Kampfgeschehen aus der Luft und stelle zu ihrer Zufriedenheit fest, dass die Zwerge die Situation im Griff hatten. Als der letzte der fünf Orks durch Klamdors kräftigen Schlag sein Leben ließ, beschloss sie, zur Mündung der Warna vor zufliegen und dort auf die Zwerge zu warten.


    Sie überflog das weitläufige Waldgebiet, immer entlang der Warna, vorbei am Städtchen

    Warneburg und an mehreren kleinen Weilern und einem recht wohlhabend anmutenden Dörfchen, das aus Schiefer gedeckten Fachwerkhäusern bestand. Hier sah sie auch die kleine Burg Sinterquell. Von hier aus würde sie das Mündungsgebiet der Warna gut überblicken können. So würde sie es sehen, wenn auch die Zwerge das erste Etappenziel erreichen und rasten würden. Sie betrachtete die durch den großen Fluss sehr fruchtbare Landschaft, die hier angebauten Reben und verschiedenen Obstbäume und wartete auf die Zwerge. Als die Dämmerung einsetzte, sah und hörte sie die kleine Gruppe, und begab sich zu ihnen.


    „Durchsucht sie.“ rief Klamdor. Sie taten wie ihnen Klamdor befohlen hatte, fanden aber keine

    Hinweise. Girlik zog seine Wurfbeile aus den Orks, reinigte sie notdürftig und stecke sie wieder in

    seinen Gürtel. Dabei grinste er zu Klamdor, „Davon kann man nie genug haben.“ Während

    Klamdor den Anführer durchsuchte fragte Barlok. „Warum können diese Monster sich ungesehen

    im Zwergenreich aufhalten?“ „Da bin ich überfragt.“ antwortete Klamdor. „Was ist denn das? Seit

    wann haben Orks denn Phiolen dabei?“ staunte Klamdor und hielt ein kleines Fläschchen in die

    Höhe. Darin schimmerte eine gelbliche Flüssigkeit. Klamdor traute sich nicht, sie zu öffnen. „Die

    muss ich Loulu geben. Vielleicht kann sie herausfinden, was das ist. Wir sollten weiter gehen.“

    „Was machen wir mit den Toten?“ fragte Balum. „Wir überlassen sie den Bären oder was sonst hier rumläuft. Wir haben keine Zeit zu verlieren.“ antwortete Klamdor.


    Die Zwerge gingen weiter dem Gebirgsbach entlang. Die Landschaft änderte sich allmählich. Die

    Büsche wichen immer mehr großen, starken Eichen. Aber hier an der Warna war der Wald noch

    nicht so dicht. Am frühen Abend sahen sie die Mündung. Hier floss die Warna in den Großen Fluss, wie er genannt wurde, weil er der längste Fluss Aventuriens war. Sie hatten ihr erstes Etappenziel erreicht und suchten sich eine geschützte Stelle. Diese war nur von der Flussseite einsehbar. Ein paar Hollerbüsche, die kleine blaue Früchte trugen, standen verloren zwischen den Felsen am Uferbereich. „Hier schlagen wir unser Lager auf. Und da kommt auch schon Loulu geflogen.“ Klamdor deutete in die Luft und da sahen auch die anderen die ihnen mittlerweile sehr bekannte Krähe wie diese auf sie zuflog. Schon bald stand Loulu mitten unter den Zwergen und unterhielt sich angeregt mit ihnen über die kurze Kampfbegegnung, wenn auch wieder nur in gebrochenem Rogolan.


    Sie verzichteten auf ein Feuer, aßen getrockneten Fisch, dazu ebenfalls getrocknete Pilze. Das

    ganze spülten sie mit Zwergenbock nach. „Wir halten abwechselnd Wache. Es ist schon seltsam,

    dass sich Orks im Zwergenreich aufhalten. Wir müssen auf der Hut sein.“ sagte Klamdor.

    Loulus Wache sollte die Letzte dieser Nacht sein und als die Sonne aufging, weckte sie Klamdor

    mit einem sanften Kuss. „Aufwachen, mein Lieber.“ Klamdor nuschelte ein verschlafenes „Guten

    Morgen, Liebes.“ in seinen Bart. Loulu machte sich bereit für die nächste Verwandlung und erklärte Klamdor: „Ich werde mich gleich auf den Weg machen und vor fliegen. Wenn es ruhig ist unterwegs, komme ich nicht zurück, sondern warte in Nadoret auf euch. Wir sehen uns später.“ Dann nahm sie ihre Krähengestalt an und erhob sich in die Lüfte.


    Sie folge dem Lauf des Großen Flusses, entlang dem Treidelpfad. Sie pausierte kurz um der

    beeindruckenden Arbeit einer kleinen Gruppe Menschen zuzusehen. Ein dickes Tau reichte von

    einem Schiff zu der Gruppe, wo es um die Taillen der Menschen gebunden war. Sie zogen das

    Schiff flussaufwärts. Loulu setzte ihren Weg weiter fort und überflog Felder und Weiden. Auf einigen wurde gearbeitet, was in dieser spätsommerlichen Jahreszeit nicht verwunderlich war, denn es war Erntezeit. Das Land entlang des großen Flusses schien tatsächlich sehr fruchtbar zu sein. Vorbei an einigen größeren Ortschaften und kleineren Zuflüssen des Großen Flusses, sah sie nach einigen Stunden die Stadtmauern von Nadoret und als sie die Stadt erreichte, überflog sie das Stadtgebiet um einen guten Aussichtspunkt zu finden, an dem sie auf die Zwerge warten konnte. Sie musste nicht lange nach dem höchsten Punkt in der Stadt suchen. Es handelte sich um einen Hügel, an dessen Hang viele Häuser standen. Auf dem Hügel war ein prächtiger Praiostempel errichtet worden war. Hier konnte sie sich niederlassen und ein wenig ausruhen.


    Klamdor weckte die anderen Zwerge. Verschlafen schauten sie sich um und Klamdor erklärte ihnen, dass Loulu den Weg vorab erkundete. Sie nahmen, ein für Angroschim karges Frühstück, bestehend aus Dörrfleisch und Brot, ein. Danach packten sie ihre Sachen und machten sich auf den Weg. Jeder hing seinen Gedanken nach und sie hatten keine Augen für die Schönheit des Landes. Ihre Reise verlief ohne Zwischenfall und bald schon konnten sie die Stadtmauern von Nadoret sehen.


    Nadoret war ein beschauliches Hafenstädtchen am Ostufer des Großen Flusses. Umgeben von dichten Wäldern und steilen Felsen, die sich über dem Flussufer auftürmten, schmiegen sich die Häuser an den Hang eines Hügels. Die vier beschlossen das Gasthaus „Zum sanften Ochsen“ aufzusuchen. Hier sollte es laut Girlik besonders leckere Schweinshaxen und ein gutes Bier geben. Das Gasthaus lag außerhalb der Stadtmauern, was den Zwergen naturgemäß behaglicher schien. Auch konnten sie dort unter freien Himmel speisen und auch etwas abseits übernachten. Klamdor hielt Ausschau nach Loulu, als sie der Bedienung ihre Wünsche äußerten. Da kam sie auch schon um die Ecke. „Ich musste erst einen ruhigen Platz finden um mich zu verwandeln. Es würde wohl großes Aufsehen erregen, wenn ich dies inmitten der Leute tun würde,“ sagte sie und küsste Klamdor. Auch sie bestellte die Haxe und das Bier. Während sie aßen schaute Klamdor plötzlich auf. „Das hab ich total vergessen gestern Abend. Hier ...“ Klamdor suchte in seiner Tasche nach etwas und zog es dann hervor. „Diese Phiole fand ich bei einem der Orks. Ich habe mich nicht getraut sie zu öffnen. Vielleicht kannst du etwas damit anfangen. Du bist ja in Alchemie bewandert.“


    Klamdor übergab Loulu die Phiole mit der gelblichen Flüssigkeit.



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  • Kapitel 23


    Weiter nach Ferdok


    Loulu nahm die Phiole von Klamdor entgegen und steckte sie in einen Tuchbeutel. Dann aßen sie schweigend. Ab und zu hörte man ein zufriedenes Rülpsen, wenn einer der Zwerge von dem kühlen Bier getrunken hatte. „Was wird uns wohl noch alles erwarten?“ fragte Girlik in die Runde. „Keine Ahnung,“ sagte Klamdor, „aber ich befürchte nichts Gutes. Wir sollten schlafen gehen. Morgen schaffen wir es wohl bis Ferdok. Da werden ich dann den Geoden aufsuchen und wir planen die nächsten Schritte.“ Die anderen nickten. Sie gingen hinter dem Gasthof ein Stück in den Wald hinein und richteten ihr Nachtlager her. „Trotz der Nähe der Stadt sollten wir wie gewohnt Wache halten.“ Alle stimmten zu und Klamdor übernahm die erste Wache.


    Er und Loulu unterhielten sich noch eine Weile. „Ich werde jetzt vorausfliegen Liebster,“ sagte sie, „und werde versuchen einen Kräuterladen oder Alchemie - Labor in Ferdok zu finden um die Phiole zu analysieren. Wenn etwas unterwegs sein sollte, komme ich zu euch zurück. Ansonsten treffen wir uns in Ferdok.“ Dabei erhob sie sich, hauchte Klamdor noch einen Kuss auf den Mund und verwandelte sich in eine Krähe. Mit einem mulmigen Gefühl schaute Klamdor wie sich Loulu in die Lüfte erhob und im dunklen der Nacht verschwand. „Viel Glück Liebes und möge Angrosch seine schützende Hand über dich halten.“ flüsterte Klamdor. Er schaute sich um, hörte das Schnarchen der anderen Zwerge. Seine Gedanken gingen zurück zu den Orks. Sie mussten starke Verbündete haben. Sie hatten unbemerkt das Zwergenreich umrundet. Aber wen? Welchen Zweck hatte das ganze? Goblins, Trolle oder Oger waren dazu nicht in der Lage. Die Spitzohren würden sich nie mit ihnen verbünden. Also wer steckte dahinter? Mitten in seinen Gedanken bemerkte er Girlik, der auf ihn zu kam. „Ich übernehme jetzt.“ sagte er zu Klamdor. Dieser nickte und legte sich etwas abseits nieder. Kurz darauf fiel er in einen unruhigen Schlaf.


    Am nächsten morgen wurde er von Balum geweckt. „Es wird Zeit weiter zu gehen.“ Er richtete sich auf und ging zu den anderen hinüber. Sie nahmen ein karges Frühstück, bestehend aus Trockenfisch und Dörrobst, ein. Dazu tranken sie dunkles Bier. Dann sammelten sie ihre Habseligkeiten zusammen und gingen los. Sie umrundeten Nadoret auf der Waldseite und gingen dann zurück zur Straße, die dem Fluss nach Ferdok folgte. Kurz darauf erreichten sie ein kleines, Einzel stehendes Haus. Dies war die Zollstation, denn auf der Straße nach Ferdok wurde Wegezoll verlangt. „Garoschem,“ grüßte Klamdor den Wachhabenden Zwerg und zeigte einen Passierschein, den sie von Albrax vor ihrer Reise ausgehändigt bekommen hatten. Der Zwerg grüßte zurück, schaute auf das Dokument, schlug mit der Faust auf seine Brust und verneigte sich kurz. „Ihr könnt passieren. Achtet auf eurem Weg auf umherziehende Orks. Es wurden vereinzelte Gruppen in den Wäldern gesichtet.“ „Das werden wir. Danke für die Warnung.“ entgegnete Klamdor. Er nickte den anderen zu, verstaute den Passierschein wieder und sie gingen weiter.


    Am späten Nachmittag sahen sie die Stadt Ferdok. Als sie die Stadtmauer erreichten wandte sich Klamdor an seine Gefährten. „Wenn wir das Stadttor durchschritten haben müssen wir nach Süden. Dort liegt das Zwergenviertel, im Norden das Hafenviertel. Vermeidet den Osten der Stadt. Dort haust nur Gesindel, Halsabschneider und Taugenichtse. Girlik und Barlok, ihr beide versucht ein Pony oder Maultier aufzutreiben. Wenn ihr keines bei den Zwergen findet geht in den Hafen. Versucht die Schänken zu umgehen und fangt keinen Streit an. Bleibt zusammen. Danach besorgt ihr Vorräte. Balum, du begleitest mich in den Angrosch Tempel. Dort suchen wir den Geoden auf. Wir treffen uns im Wirtshaus „Zum Amboss und Hammer“. Alles verstanden?“ Die anderen nickten.


    Sie betraten die Stadt, wandten sich nach Süden und durchschritten erneut ein Tor. Das Viertel der Zwerge war ebenfalls von einer Mauer mit Toren umgeben und konnte bei Gefahr hermetisch abgeriegelt werden. Girlik und Barlok sahen sich kurz um und gingen dann los um alles zu besorgen.


    Als die beiden im Getümmel der Zwerge und Handwerker anderer Herkunft verschwanden sagte Klamdor zu Balum: „Dann wollen wir mal zum Tempel.“ Balum nickte. Er war kein Freund von vielen Worten. Der Tempel war leicht zu finden, überragte er doch die meisten Häuser im Zwergenviertel. Dieser war eigens zum Schutz der Angroschim in Ferdok errichtet worden. Er wurde allerdings auch von anderen Rassen besucht. Sie schätzten den Rat des Geoden. Klamdor und Balum betraten das Heiligtum und waren von der Schlichtheit überrascht. An der Stirnseite befand sich eine Statue die Angrosch, den Gottvater der Zwerge, darstellte. In der Hand hielt er einen überdimensionalen Kriegshammer. Davor befand sich ein goldener Amboss. Ansonsten waren einige Sitzgelegenheiten zu erkennen. Es roch nach Tabak und sie hätten sich auch in einer der großen Hallen in den heimatlichen Stollen befinden können. Klamdor betrachtete die Statue und sah nur eine gewisse Ähnlichkeit mit Angrosch. Er hatte ihn ja schon mehrfach gegenüber gestanden. Zu dieser Zeit befanden sich keine weitere Besucher in dem Tempel. Auf einmal wurde eine versteckte Tür geöffnet, die beide zuvor nicht bemerkt hatten. Durch die entstandene Öffnung kam ein in Gewänder gehüllter Zwerge. Er schritt zielsicher auf beide zu und blieb kurz vor ihnen stehen. Klamdor besah sich den Priester, bemerkte die stechenden Augen die einen schon in ihren Bann ziehen konnten. Er war eine imposante Erscheinung, nicht ganz so stämmig, dafür hatte er eine unglaubliche Aura. „Garoschem. Ich bin Oboram, Sohn des Zimlosch und der Geweihte der hier lebenden Angroschim. Allerdings kommen auch Menschen zu mir und holen sich Rat. Mit wem habe ich die Ehre?“ Klamdor stellte sich und Balum vor. „Ja natürlich. Albrax schickte mir eine Nachricht das ihr hier eintreffen würdet. Folgt mir. Wir dürfen nicht gestört werden.“


    Oboram schritt voraus durch die zuvor verdeckte Tür. Klamdor und Balum folgten ihm. Der Raum dahinter war ebenfalls schlicht eingerichtet. Kerzen gaben ein schummriges Licht ab. Oboram deutete auf die Stühle, „Setzt euch.“ Beide kamen der Aufforderung nach. Der Geode füllte drei Krüge mit Ferdoker Bier und stellte sie auf den Tisch. Ein ganzes Fass stand auf einer Kommode. „Baroschem“ grinste er. „Ich bin auch ein Zwerg und genieße ebenfalls die Vorlieben meiner Artgenossen.“ „Baroschem,“ erwiderten beide. „Nun zu dem eigentlichen Grund eures Besuches,“ begann Oboram. „Es sind eigenartige Dinge geschehen. Die Orks werden gelenkt von einer ungeheuren Macht. Wir müssen auf der Hut sein, du Klamdor, musst sehr aufpassen. Die Orks sind nur Mittel zum Zweck. Dennoch wirst du die Wahrheit nur im Norden finden. Im Orkland. In einer meiner Visionen sah ich...“


    Klamdor schreckte hoch. Sein Blick fiel zufällig auf den Spalt zwischen Boden und Tür. Durch diesen kroch grüner Nebel. Mit einem Satz war er auf den Beinen und zog seine Waffe. Balum und Oboram taten es ihm gleich, wobei sich Klamdor noch wunderte, dass ein Priester eine Waffe bei sich trug. Mit einem lauten Knall wurde die Tür aufgestoßen. Schattenhaft bewegten sich Gestalten in den engen Raum. Dann brach die Hölle los.


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  • Kapitel 24


    Die Kräuterfrau



    Loulu erreichte Ferdok sehr früh am Morgen. Dies war ideal denn es waren keine Leute auf der Straße. So erkundete sie die Stadt aus der Luft und merkte sich die markanten Punkte. Sie landete etwas abseits und außerhalb der Stadt und kehrte zu ihrer menschlichen Gestalt zurück. Sie nahm ein Frühstück zu sich und wartete etwas ab. Ferdok füllte sich mit Leben und sie machte sich auf den Weg. Sie betrat die Stadt von Westen her über die Treidelstraße. Im Süden lag das Zwergenviertel. Dort würde sie wohl kaum einen Alchemieladen oder etwas ähnliches finden. Also bewegte sich sich nach Osten, dem Hafenviertel entgegen. Dort war schon allerlei Treiben am frühen Morgen. Schiffe wurden entladen, Marktstände aufgebaut. Die ersten Fischer kamen von ihrer nächtlichen Fahrt zurück und boten direkt ihren Fang an. Loulu schaute sich um und suchte auch in den engen Gassen um den Hafen herum. Plötzlich entdeckte sie ein altes, klappriges Schild über dem Eingang eines kleinen Geschäftes. Aldana´s Kräuterladen.


    Sie schaute sich um, doch niemand nahm Notiz von ihr. Ein seltsamer Duft lag in der Luft und sie zögerte noch etwas. Doch dann gab sie sich einen Ruck und öffnete die Eingangstür, die in den Angeln quietschte. Sofort wurde der Geruch intensiver. Loulu trat ein, schloss die Türe wieder und sah sich um. Überall hingen Kräuter zum trocknen an den Holzbalken. Sie ging einen Schritt weiter, sah vor sich einen kleinen Tresen, dahinter ein Regal mit allerlei Fläschchen und Döschen. Nach links führte ein Gang der in dem diffusen Licht nicht einsehbar war. Rechts befand sich eine Tür die leicht offen stand und aus dem der Schein von Fackeln fiel.


    Ein leises Lachen drang aus dem Zimmer und die Türe wurde weiter geöffnet. Dann erschien eine Gestalt, die in weite Gewänder gehüllt war. Sie ging in den Laden. Loulu schaute nochmals nach links in den Gang. „Du hast also den Weg zu mir gefunden, Tochter der Morrigan. Eine Halbgöttin in meinem kleinen Laden,“ sprach die Gestalt Loulu an. Dabei trat sie hinter den Tresen. Die Stimme klang warm und jung. Nicht so, wie man sich gemeinhin eine Kräuterfrau vorstellt. Loulu schaute jetzt wieder zu ihr und wunderte sich nicht einmal, dass die Fremde sie zu kennen schien.


    „Du bist Loulu, halb Tuatha De Danann. Ich habe dich erwartet. Ach, verzeih. Mein Name ist Aldana. Mir gehört der Laden.“ Mit diesen Worten nahm sie das Tuch von ihrem Kopf. Loulu sah ein junges, hübsches Gesicht mit dunklen braunen Augen. „Galdwin, du kannst aus deinem Versteck heraus kommen. Wenn sie es gewollt hätte, wärst du jetzt schon tot. Habe ich Recht?“ Sie wartete nicht mal eine Antwort ab sondern drehte sich wieder zur Tür. „Wir haben einiges zu besprechen. Gehen wir in das Zimmer. Galdwin, sperre die Türe ab. Wir wollen nicht gestört werden.“ Loulu sah in den Gang und bemerkte wie Galdwin aus dem dunklen heraus trat. Mit einem scheuen, zu Boden gerichteten Blick schritt er an Loulu vorbei zur Türe. Dann folgte sie Aldana in das Zimmer.


    Aldana bot ihr einen Platz an und goss etwas Flüssigkeit in zwei Becher. Einen davon reichte sie Loulu, die bisher geschwiegen hatte. „Trink, es ist kein Gift. Du musst verzeihen wegen Galdwin, aber ich muss vorsichtig sein.“ „Du hast mich erwartet?“ „Ja,“ antwortete die Aldana. „Ich hatte Visionen. Ich wusste dass du kommen würdest. Wir haben das gleiche Ziel. Deshalb auch meine Vorsichtsmaßnahmen. Ich komme eigentlich von der Insel. Dazu aber später mehr. Wir sind in großer Gefahr. Uns steht ein Feind gegenüber, der sehr grausam ist. Grausam und alt. Noch ist er erst erwacht und hat noch nicht seine alte Stärke erreicht. Aber er wird von Tag zu Tag stärker.“ Aldana bemerkte ein leichtes flackern in den Augen von Loulu. „Noch ist er nicht so weit.“ Loulu hatte etwas Vertrauen in die Person, die so viel zu wissen schien, bekommen. Deshalb zog sie die Phiole, die sie von Klamdor bekommen hatte, aus der Tasche. „Können wir den Inhalt hier untersuchen?“


    Aldana besah sich die Phiole. „Woher hast du sie?“ „Klamdor nahm sie einem erschlagenen Ork ab. Ach ja, Klamdor ist...“ „Ich weiß wer Klamdor ist, zu was er aufgebrochen ist und was er dir bedeutet. So wie ich es weiß, weiß es auch der Feind. Ich habe nördlich von Ferdok in den Wäldern eine einsam gelegene Hütte die niemand kennt. Dort können wir ungestört den Inhalt analysieren. Und sorge dich nicht um Klamdor.“ Zumindest jetzt noch nicht, dachte Aldana weiter. „Wir sollten unsere Gestalt ändern und den Weg zur Hütte fliegend überwinden. Ja, auch ich kann mich verwandeln.“ Sie ging zum Fenster und öffnete es. „Ich hoffe du kannst mir folgen.“ „Ich müsste Klamdor eine Nachricht zukommen lassen damit er weiß was ich tue.“ Aldana bewegte sich zum Sekretär und übergab Loulu Papier und Feder. „Galdwin wird sie zum Amboss und Hammer bringen. Der Wirt dort wird sie dann Klamdor geben.“ Loulu nickt und verfasste eine Nachricht. Aldana befahl Galdwin die Nachricht zu überbringen. „Noch eine Frage,“ sagte Loulu. „Wer ist den unser Feind?“


    „Alles zu seiner Zeit.“ Damit verwandelte sich Aldana in einen Falken. Loulu tat es ihr gleich und nahm ihre Krähengestalt an. Beide flogen aus dem Fenster und drehten noch eine Runde Über Ferdok. Dann nahmen sie Kurs auf den nördlichen Wald. Loulu blickte nochmal zurück und meinte einen grünen Schein im Viertel der Zwerge zu erkennen. Doch musste sie ihre Aufmerksamkeit Aldana widmen, die mit großer Geschwindigkeit Ferdok in der Luft verließ.


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  • Kapitel 25



    Die Suche nach einem Pony



    Girlik und Barlok machten sich auf den Weg um ein Pony oder dergleichen zu finden. Bald hatten sie eine Art Markt der Zwerge erreicht. Aber weit und breit war kein Pony zu finden. Sie fragten danach und wurden zum Hafen geschickt. Dort sollte es allerlei Handelswaren geben. Darunter auch Zug – und Reittiere.


    Sie durchschritten das Osttor des separat abriegelbaren Zwergenviertels und kamen an die ersten Ausläufer des Hafens. Reges Treiben herrschte hier. Der Geruch von Salz, Fisch und anderem hing in der Luft. Große Segler lagen an der Pier und wurden be – oder entladen. Aus den Kneipen drang Lachen oder auch Gesang. Bei einer wurde die Tür aufgestoßen und ein betrunkener Matrose wurde unsanft auf den Weg katapultiert. Aus seiner Nase lief Blut. Er rappelte sich hoch, schwankte ein wenig und spuckte aus. Er sah die beiden Zwerge, wischte sich das Blut ab und grinste. Dann drehte er sich um und wankte davon. Girlik sah auf den Eingang aber Barlok zog ihn weiter. „Denke daran was Klamdor sagte. Erstmal das Pony besorgen.“


    Sie gingen weiter, sahen immer mehr Buden und Stände. Als sie den Hafen schon fast durchquert hatten bemerkte Barlok einen kleinen eingezäunten Bereich. Dort waren Tiere zu sehen. „Dort,“ meinte er zu Girlik. Sie liefen die kurze Strecke und schon stürzte sich ein Händler auf sie. „Ich habe fette Schweine zu verkaufen. Da kann man bestimmt leckere Braten daraus machen.“ Barlok winkte ab. „Wir suchen ein Pony oder ein Maulesel. Also ein Tragetier. Nichts zum essen.“ „Da hab ich genau das richtige für euch, werte Herren. Drüben in einer Seitengasse hat mein Schwager einen kleinen Stall. Dort findet ihr bestimmt was ihr sucht.“ Dabei deutete er in eine kleine Gasse. „Ihr müsst bis zum Ende. Dann haltet euch links. Weitere 200 Schritte dann ist der Stall zu sehen.“ Barlok nickte und bedankte sich für die Auskunft.


    Sie betraten die Gasse und folgten ihr bis zum Ende. Dort ging es nach rechts und links. Sie nahmen den linken Weg und nach einigen Schritten sahen sie schon den Stall. Als sie ihn erreichten trat ein großer Mann aus diesem hervor. Er hatte breite Schultern, sein Gesicht markant und man sah ihm an, dass er schwere Arbeit gewohnt war. Er besah sich die Ankömmlinge. „Was wollt ihr?“ Girlik übernahm das Sprechen. „Wir suchen ein Pony oder ein Muli. Ihr Schwager hat uns den Weg zu ihnen gezeigt. Er meinte sie hätten was wir suchen.“ „Das ist richtig. Kommt mit.“ Sie gingen in den Stall. Der Mann steuerte zielstrebig ein Maultier an. „Dies hier ist kräftig, ausdauernd und recht pflegeleicht. Für euch,“ er räusperte sich, „sagen wir 15 Goldstücke.“ „Das ist Wucher,“ meinte Barlok. „10. Nicht eines mehr.“ Der Mann schaute zu Boden und nagte an der Unterlippe. „12 und ich lege noch einen Sack Hafer dazu.“ Dann entdeckte Girlik noch einen alten Karren. Er sah sich das Stück an und raunte zu Barlok: „No Rakul mox,“ dann wandte er sich wieder dem Mann zu. „14 mit dem Karren und den Hafer.“ „15, mit Geschirr“ „Abgemacht. Liefere das ganze zum Amboss und Hammer. Weißt du wo das ist?“ „Ja. Heute Abend bringe ich euch alles vorbei. Dann könnt ihr auch zahlen. Es freut mich mit euch Geschäfte zu machen.“ Sie besiegelten alles mit einem Handschlag und die beiden Zwerge verließen den Stall.


    Sie wollten wieder zurück als Girlik eine kleine Schänke ausmachte. „Ein kleiner Schluck kann nicht schaden. Klamdor ist bestimmt noch nicht fertig“ „Aber nur ein Bier,“ sagte Barlok. Sie gingen in die Schänke. Ein mit Rauch durchzogener Raum empfing sie. Am Ende gab es einen freien Tisch. Die Angroschim steuerten ihn an und setzten sich. Außer ihnen befanden sich noch vier düstere Gestalten in der Kaschemme. Der Wirt fragte nach den Wünschen und sie bestellten jeweils ein Bier. Nachdem sie es erhalten hatten bezahlten sie gleich. Sie führten das kühle Getränk in den Krügen zum Mund und nahmen einen tiefen Schluck. Plötzlich sprangen die vier Männer hoch, zogen ihre Waffen. Die Zwerge waren überrascht, reagierten aber durch ihre Kampferfahrung fast Zeitgleich. Sie standen auf, nahmen ebenfalls ihre Waffen. Barlok schielte nach links. Auch der Wirt hatte eine Waffe in der Hand. Und noch etwas geschah. Die Augen der Männer färbten sich Grün.


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  • Kapitel 26


    Luring



    „Sunvaar, du bist schon wieder zurück?” schmunzelte der Wanderer. Zeitgleich setzte der geflügelte Gefährte seine Beine gut einen Meter gegenüber des Wanderers ab und schaute von unten auf ihn herauf. Der Rabe fing an zu krächzen und zu klicken während er weiterhin Augenkontakt hielt. Als der Wanderer auf sein strammes Ross sprang, flog der Vogel mithilfe eines starken Flügelschlags schnurstracks in die Höhe und kreiste einige Meter über dem Wanderer in der Luft umher bis dieser schließlich anfing vom See fort Richtung Straße zu reiten.


    Einige Tage waren bereits verstrichen seit der Wanderer die Gruppe Orks auf der Steppe erledigt

    hatte. Die Umgebung war grüner und ländlicher geworden. Einzelne kleine Fichtenwäldchen ragen aus dem sonst eher flachen Feldlande. Hier und da stand auch eine verirrt wirkende Eiche. Der See an dem sich der Wanderer befand lag an einer Straße, die weiter von Osten gen Westen verlief. Von Norden stieß ein kleiner Weg der Straße hinzu, doch weit und breit waren keine anderen Reisenden zu sehen. Es dämmerte bereits, einige Glühwürmchen versammelten sich mit Stechmücken über dem Schilf am Rande des Sees und summten gemeinsam eine Melodie daher. Der Wanderer verlor keinen Blick nach hinten und ritt mit zunehmender Geschwindigkeit erst auf die Straße zu und schließlich diese entlang Richtung Westen. Sunvaar flog mit gleichbleibendem Abstand etwas voraus um bei Notwendigkeit frühzeitig vor Gefahren warnen zu können. Fernes Krächzen anderer Raben führten zu einigen Antworten seitens Sunvaar, so dass er immer wieder ein lautes Geräusch in die Weite rief.


    Es war bereits Nacht geworden als plötzlich Lichter in der Ferne zu erblicken waren. Sunvaar flog mit einer zügigen Geschwindigkeit los um letztlich über der Ortschaft umher zu kreisen. Der Wanderer zog seine Kapuze auf und ritt weiter auf den Ort zu. Umgeben von hohen Mauern

    ragt diese beachtliche Kleinstadt aus der Wildnis heraus. Gebaut auf einem von zwei Hügeln in der Umgebung stach auf dessen Mitte ein wuchtiger Turm inmitten der Stadt in die Höhe. Das Terrain schien zu uneben um bebaut zu sein. An dem Stadttor standen einige Wachen die gerade dabei waren ein Kraut aus einer Pfeife zu rauchen, als der Wanderer vor ihnen zum Stehen kam. Misstrauisch schauten die Wachen musternd an dem Pferd und dem Wanderer auf und ab.


    „Wie kann man zu so später Stunde behilflich sein?” rief einer der Wachen in bestimmendem Ton

    dem von der Kapuze verstecktem Gesicht entgegen, nachdem er zunächst auf den Boden spuckte

    und die Pfeife seinen Kollegen übergab. Seine Rüstung glänzte mehr als die der anderen. Außerdem war an den Schultern seiner Rüstung ein Gelber Umhang befestigt. Auf seinem Brustharnisch war ein Schlüssel eingraviert. „Das Tor ist geschlossen. Ich brauche eine Herberge für die Nacht” sagte der Wanderer. „Das Tor von Luring öffnet sich nach Sonnenuntergang nur noch vorgeladenen Gästen... oder jenen, die sich eine Vorladung leisten können.” Die Wache grinste dreckig. „Das ist bestimmt einer dieser perversen alten Säcke, die unbedingt zum Knuppler wollen, um sich dort mit Luringer Weiber zu vergnügen... als hätten die keine eigenen da wo die herkommen” Eine andere Wache wagte einen Schritt hervor wurde aber von der Wache mit Umhang gestoppt. „Ich habe keine Vorladung, aber etwas dass dich sicherlich interessieren könnte.” Der Wanderer zückte sein Schwert aus der Scheide. Nicht zögernd zogen die Wachen ebenfalls ihre Waffen nur um sie im nächsten Moment wieder zu senken. Die Wachen fingen lauthals zu lachen an. „Mit dieser kaputten Klinge vermagst du uns zu drohen? Verschwinde wieder in die Dunkelheit oder wir zerren dich in den Kerker!” „Keineswegs möchte ich euch drohen, eher möchte ich euch mit etwas segnen. Das Schwert gehört euch, sofern ihr mich passieren lasst.” „Du musst wohl dein Verstand in deinem Bart verloren haben. Was soll ich denn mit einem kaputten Schwert?” Kaum sprach die Wache seine Worte aus, bildete sich die Geisterklinge aus dem Heft des Schwertes und leuchtete vor aller Augen die Nacht erhellend. „Allerdings müsste ich meine eigene Klinge wieder mal zum Ortsschmied bringen lassen und somit könnte ich mir den Gang sparen.” Die Wachen sahen mit großen Augen auf das Schwert bis jener mit dem Umhang danach griff und es dem Wanderer aus der Hand zog. Die anderen Wachen gaben ein Zeichen in Richtung der Mauer Spitze woraufhin nach kurzer Verzögerung sich das Stadttor langsam und schwerfällig öffnete.


    Kaum war das Schwert in der Hand der Wache, verschwand die Klinge wieder und hinterließ nur

    noch das kaputte Kriegsinstrument. „Warte, wie steuert man das Teil? Das Schwert ist ja ganz

    stumpf! Wo ist die prächtige weiße Klinge hin? So kommst du mir nicht in die Stadt,” brüllte die

    Wache vor sich hin, während der Wanderer durch das Tor welches bereits einen Schlitz, groß

    genug für ihn und sein Pferd, geöffnet hatte, hindurch ritt. Gerade als die Wache ihm folgen wollte stürzte ein Vogel auf ihn herab und griff nach seinem Haar. Die anderen Wachen versuchten zu helfen doch wurden schließlich auch sie von dem Raben angegriffen. Alle schlugen wie wild um sich, als Sunvaar die Situation ausnutzte, nach dem Schwert, welches die Wache bereits als Selbstverteidungswaffe nutzte, griff und es mit einem Schwungvollen Flügelschlag aus der Hand der Wache riss, um es in die Lüfte zu heben und hinter den Stadtmauern zu verschwinden. Als die Wachen letzten Endes bemerkten, dass die Gefahr von oben bereits gebannt war suchten sie nach dem Wanderer. Doch er war bereits in der Stadt verschwunden und das Schwert ebenfalls.


    Luring war eine schöne und scheinbar recht reiche Stadt. Die Straßen und Wege schienen in natürlichen Mulden zwischen dem unebenen und steilen Terrain zu verlaufen. Die Häuser standen eng aneinander, oftmals ragte durch die Steile ein ganzes Haus über einem anderen heraus und hinterließ so den Eindruck, sie seien aufeinander gebaut. Der Wanderer ritt ein Stückchen des Weges entlang. Währenddessen flog Sunvaar herab und ließ die kaputte Klinge in die Schwertscheide seines Herren gleiten. Am Ende kam er vor einem vergleichsweise etwas mitgenommenen Gebäude zum stehen. Über dem Eingang stand der Name “Schwein am Spieß”. Drinnen hörte man Gelächter und das klirren von Besteck und Geschirr.


    Er stieg von seinem Ross um mit seinem Raben und Gepäck auf der Schulter die Räumlichkeiten zu betreten. Als er das Haus betrat, roch es nach gutem Essen und starkem Bier. Einige Tische standen verteilt im ganzen Raum, daran saßen Menschen allerlei Herkunft und Schichten, um zu essen, zu trinken und sich zu unterhalten. Eine Bar gab es nicht, nur eine Art Tresen zur Küche wo eine Empfangsdame lächelnd auf einem Blatt Pergament herumkritzelt. Während der Wanderer sich ihr nähert hörte sie auf zu kritzeln und sprach mit überfreundlicher Stimme.


    „Herberge Schwein am Spieß, Wie kann ich Ihnen helfen?” „Ich suche ein Zimmer für die Nacht und eventuell eine Wegbeschreibung nach Ferdok.” „Ferdok? Das ist um die 30 Meilen entfernt von hier, Der Weg ist ganz einfach, Man muss einfach der Straße aus dem Spiegeltor im Westen folgen.” Ihr Gesicht verändert sich, ihr lächeln wirkt nur noch aufgesetzt und falsch. „Ein Zimmer kostet im Moment nichts, da viele Flüchtlinge unterwegs sind und wir solange wir Platz haben, jeden aufnehmen. „Da habe ich aber Glück gehabt. Aber sagen sie junge Dame, weshalb ändert sich Ihre Stimmung wenn ich von Ferdok spreche?” „Die meisten Flüchtlinge kommen aus dem Süden oder Westen. Angeblich haben die Zwerge da drüben sich mit den Orks angelegt, so dass unsere Lande nicht mehr sicher sind. Wir haben eine Menge Probleme mit Ork Gruppierungen in den Wäldern und Gebirgen aber auch vereinzelt in den Tälern. In den Zwergenländern ist das Ganze noch schlimmer. Daran sind diese Kleinwüchsigen schuld. Und wenn ich ihnen einen Rat geben darf, würde ich Ihnen definitiv nicht empfehlen die Zwergenlande zu betreten, wenn Sie nicht gerade Lebensmüde sind.” „Danke, doch ich glaube nicht, dass Sie mich genug kennen um mir Empfehlungen auszusprechen. Wie dem auch sei, ich hätte gerne den Schlüssel.”


    Die Nacht verging, doch ruhig schlafen konnte der Wanderer nicht. Es blieb nicht mehr viel Zeit.

    Am Morgen setzte er sich wieder auf sein Ross und ritt gen Westen. Einen Tag bräuchte der

    Wanderer bis kurz vor Ferdok noch, wo seine Reise erst beginnen mochte.


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  • Kapitel 27


    Angrosch´s Geschenk



    Die Gestalten drängten in den Raum hinein. Die drei Zwerge verteilten sich, um so eine bessere Verteidigungsstellung zu erhalten. Da die Armbrust in diesem engen Raum ungeeignet war, zog Balum seinen Lindwurmschläger. Auch wenn diese Waffe unscheinbar wirkte, so machte sie ihrem Namen doch alle Ehre. So mancher grüne Schuppenhäutige hatte schon am eigenen Leibe erfahren, wie gefährlich diese Waffe war. Der Geode vertraute einem Sehnenschneider, wie er bei den Menschen genannt wurde. Dies war eine einhändig geführte, mit einem Dorn versehene Axt. Die scharfe Schneide zertrennte mühelos sogar Knochen. Auch Klamdor hatte eine kleinere Version einer doppelschneidigen Axt gewählt. Der zweihändige Orkenspalter war für diese Verhältnisse etwas zu klobig. Es machte sich wieder einmal bezahlt, dass Zwerge ein ganzes Arsenal von Waffen bei sich trugen.


    Fünf Gestalten, Menschen wie Klamdor feststellte, waren in den Raum eingedrungen. Ihre Augen leuchteten in einem eher schmutzig anmuteten Grün. Für einige Sekunden war es ganz still. Fast zeitgleich griffen die Angroschim an. Es schien, als wären sie schon jahrelang gemeinsam ins Feld gezogen. Balum griff den von ihm aus gesehenen rechten Angreifer an, indem er zuerst seinen Lindwurmschläger vor zucken ließ. Dieser fiel auf die Finte herein und dreht sich ein wenig zur Seite. Darauf hatte der Xorlosch Krieger nur gewartet und schlug von der Seite her zu. Seine Waffe drang tief in die Seite ein, Blut spritzte hervor und mit einem Schrei brach der Körper zusammen. Währenddessen war Klamdor nach links ausgewichen, drehte sich um die eigene Achse und schlug gebückt zu. Er traf das linke Bein des zweiten Angreifers. Dieser knickte ein und der nächste Streich trennte den Kopf vom Rumpf. Ohne einen Laut von sich zu geben fiel der Tote rücklings auf einen weiteren Eindringling, der gerade vorstürmen wollte. Dadurch wurde er etwas zurück gedrängt. Oboram war nach vorne gestürmt, wobei er geschmeidig, seitlich über den Tisch schlitterte. Durch diese Bewegung zielte der Schlag auf die Seite des Angreifers, wo sich der Sehnenschneider tief zwischen Becken und Rippen schnitt. Der Körper wurde fast halbiert. Als Oboram vom Tisch auf dem Boden landete, rutsche er in der sich gebildeten Blutlache aus und fiel nach hinten mit dem Kopf gegen den Tisch. Sofort wurde es schwarz vor seinen Augen, doch er rollte sich noch instinktiv zur Seite und so zerschnitt der Hieb, der zwischenzeitlich gegen ihn geführt wurde, seinen Arm. Er schrie kurz auf und alles schien sich zu drehen. Klamdor sprang ihm zur Seite, fing den nächsten Hieb ab und schlug seinerseits zu. Er traf seinen Gegner am Hals, dieser brach gurgelnd zusammen. Der letzte machte auf dem Absatz kehrt und wollte aus dem Raum stürmen. Aber er stolperte, rappelte sich hoch und wankte weiter Richtung Ausgang. In der Tür erschien Balum, sah den Flüchtenden und stürmte hinterher. Kurz vor dem Ausgang erreichte er ihn und schlug mit der flachen Seite zu, traf den Hinterkopf des fünften. Dieser stolperte noch und fiel dann längs auf den Boden wo er bewusstlos liegen blieb.


    Klamdor kümmerte sich um den verletzten Priester. Die Wunde am Arm war nicht sonderlich tief. Dennoch sollte sie genäht werden. Er schnitt einen Streifen vom Gewand des Geoden und verband notdürftig die verletzte Stelle. Dieser stöhnte etwas auf. „Ich bin wohl etwas aus der Übung.“ Klamdor lächelte ihn an. „ Das wird schon wieder.“ Balum kam zurück und sagte, „Der letzte liegt da drüben. Er ist bewusstlos. Vielleicht erfahren wir etwas von ihm. Was ist mit Oboram?“ „Nicht so schlimm. Woher kamen die denn so plötzlich?“ Balum schüttelte den Kopf und begann die Toten zu durchsuchen. „Sie waren ganz und gar nicht Kampferfahren. Hast du es gesehen? Sie hatten ein grünes Leuchten in den Augen.“ „Ja, ich habe es gesehen,“ antwortete Klamdor. „Nichts,“ sagte Balum. „Sie haben nichts bei sich.“


    Klamdor ging in den Tempel zu dem Bewusstlosen. Balum folgte ihm. Zusammen zogen sie in vom Ausgang weg und lehnten ihn gegen die Wand. Oboram hatte seine Schwäche etwas überwunden und stand nun ebenfalls im Inneren des Tempels. „Da drüben ist ein Krug mit Wasser. Vielleicht bekommen wir ihn so wach.“ Klamdor ging an die Stelle in die Oboram wies. Er nahm den Krug, kehrte zurück und goss dem Bewusstlosen etwas Wasser ins Gesicht. Dieser schlug die Augen auf. In diesen war nur noch ein sehr schwaches grün zu erkennen. Noch bevor Klamdor etwas fragen konnte drang ein Röcheln aus dem Hals, grüner Rauch drang aus dem Mund und der Körper kippte zur Seite. Er war tot noch bevor er den Boden berührte.


    Klamdor schaute fragend zu Balum und dann zu Oboram. Beide zuckten mit den Schultern, wobei dem Priester ein kleiner Schmerzenslaut entwich. „Was hast du denn in deiner Vision gesehen?“ fragte Klamdor den Geoden. Dieser sah auf. „Nichts dergleichen. Auch nichts von grünen Augen. Nur...,“ er stockte kurz bevor er weiter fuhr, „nur das etwas in den Orklanden vor sich geht. Etwas altes, grausames ist erwacht. Ich muss nach Angbar, mich mit meinem Orden beraten. Ich kann dir nicht mehr helfen. Noch etwas Klamdor. Jemand sucht nach dir. Mehr weiß ich wirklich nicht.“


    Nach diesen Worten fing die Statue von Angrosch an zu leuchten. Ein grelles Licht breitete sich aus und eine donnernde Stimme ertönte. „Klamdor, nimm dieses Geschenk. Es wird dir und den deinen etwas Schutz bieten.“ Das Leuchten erlosch wieder und zu den Füßen des Abbildes des Zwergengottes lagen sechs silberne Amulette. Sie waren kreisrund, in der Mitte sah man einen Amboss und einen Hammer. Klamdor ging hin und zählte nach. „Warum sechs. Wir sind doch nur zu fünft.“ „Ich sagte doch,“ flüsterte der Geode, „es sucht jemand nach dir“



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  • Kapitel 28


    Die Zwerge in Ferdok



    Girlik und Barlok schauten sich kurz an und drehten sich zur Seite um sich zu trennen. Die Augen der Gestalten leuchteten jetzt intensiv Grün, nur bei dem Wirt nicht. Dieser gab den beiden Zwergen zu verstehen, dass er auf ihrer Seite war. Girlik hatte in jeder Hand ein Wurfbeil, Barlok hielt seine Skraja in der Hand. „Was hat das zu bedeuten?“ flüsterte Barlok in Richtung Girlik. Dieser zuckte mit den Schultern. Die vier Gestalten standen mit ihren gezogenen Waffen da und schienen nicht zu wissen was sie tun sollten. Es war eine gespenstige Stille in dem Wirtshaus eingekehrt. Plötzlich ging alles sehr schnell. Die Männer bewegten sich auf die Angroschim zu und Girlik schleuderte sofort das erste Beil, dass tief in die Brust des vordersten Angreifers eindrang und in auf der Stelle tötete. Das zweite Wurfgeschoss folgte dem ersten und auch dieses traf sicher sein Ziel. Der zweite Mann war dadurch ausgeschaltet. Der dritte lief los, der Wirt machte zwei Schritte ihm entgegen und eine Klinge aus leicht rostigem Stahl fuhr ihm in die Kehle. Barlok war gleichzeitig vorgesprungen und tötete den letzten Angreifer mit seiner Skraja, indem er dem Fremden den Kopf von den Schultern schlug. Die ganze Szene spielte sich innerhalb von Sekunden ab. Die Augen der Gefallenen waren gebrochen und das Grün aus ihnen verschwunden. „Was war denn das?“ fragte nochmals Barlok in Richtung seines Gefährten. Girlik zuckte mit den Schultern. Dabei durchsuchte er die am Boden liegenden Gestalten.„Nichts. Wir sollten Klamdor Bescheid geben.“ Zum Wirt gewandt fuhr er fort: „Gibt es damit ein Problem?“ dabei deutete er auf die Toten. Der Wirt schüttelte den Kopf. „Ich lasse sie verschwinden.“ Barlok steckte dem Wirt noch ein paar Münzen zu, „Als kleine Entschädigung.“


    Die beiden verließen die Kneipe und begaben sich auf den Weg zum Zwergenviertel. Dort angekommen gingen sie sofort zum Wirtshaus „Amboss und Hammer“. An einem Tisch entdeckten sie Klamdor und Balum und begaben sich direkt zu ihnen. Sie setzten sich und bestellten bei der herbeigeeilten Bedienung jeweils ein großes Bier. Als die Schankmaid sich entfernte begann Girlik mit seinem Bericht. Als er geendet hatte sagte Balum: „Sie hatten auch grüne Augen. Genau wie bei uns.“ Barlok schaute auf. „Wie bei euch?“ Klamdor erzählte mit knappen Worten von dem Vorfall im Tempel und zeigte gleichzeitig die Amulette herum. „Jeder von euch sollte eines anlegen,“ und überreichte beiden ein Amulett. „jetzt habe ich noch zwei, eines für Loulu und eines für einen Fremden.“ „Wo bleibt Loulu überhaupt? Ob sie auch so eine Begegnung hatte?“ fragte Balum. In diesem Moment betrat eine zwielichtige Person das Gasthaus, schaute sich kurz um und steuerte dann zielsicher auf den Tisch der Zwerge zu. Als er am Tisch angekommen war, fragte er, „Bist du Klamdor?“ Klamdor nickte. „Ich bin Galdwin und überbringe euch etwas“. Dann schob der Fremde ihm einen Zettel zu und flüsterte „Von Loulu“


    Klamdor sah sich Galdwin genau an, bemerkte wie Barlok seine Hand in die Nähe der Skraja schob, nahm dann den Zettel, faltete ihn auf und las ihn. „Es ist eine Nachricht von Loulu und es ist zweifelsfrei ihre Handschrift. Sie ist mit einer Kräuterfrau dabei den Inhalt der Phiole zu untersuchen und zu diesem Zweck in eine Waldhütte vorausgeflogen“. Galdwin verabschiedete sich, nicht ohne einen mürrischen Blick auf Barlok zu werfen und ging hinaus. „Er hat wohl bemerkt wo deine Hand war“, witzelte Balum in Barlok`s Richtung. Sie tranken und aßen schweigend. Später am Abend brachte der Händler noch das Maultier und den Karren. Die Zwerge bezahlten den ausgemachten Preis, stellten es beim Wirt unter und gingen auf ihr Zimmer. Die Nacht verging ereignislos und am nächsten morgen nahmen sie ein karges Frühstück zu sich. Sie beluden den Karren mit Lebensmittel, Decken und allerlei Zubehör. Dann machten sie sich auf den Weg.


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  • Kapitel 29



    Der Grüne Nebel



    Nebel durchzogen das Land. Düster ragten die Äste abgestorbener Bäume in die Höhe als wollten sie dort einen Halt suchen. Blitze durchzuckten die Nacht und ließen die Szenerie noch schauriger erscheinen. Es roch nach Moder und Verwesung. Schmatzende Geräusche, gurgelndes Wasser und kleine Gasblasen, die an der Oberfläche zerplatzten, gaben dem ganzen noch eine unheimliche Tonkulisse. Die Bewohner der umliegenden Dörfer mieden dieses Gebiet denn wer hierher gelangte war des Todes. Gespenstige Geschichten wurden erzählt, von schönen jungen Frauen, die einem in den Sumpf lockten wo er für immer verloren war. Noch nie kam jemand von hier zurück. Selbst die Orks machten einen großen Bogen um diesen Landstrich.


    Die Raben spürten es zuerst. Nach und nach schreckten die Tiere aus ihrem Schlaf auf. Manche flatterten aufgeregt herum, andere krächzten laut, und einige ergriffen bereits die Flucht. Etwas war unter ihnen erschienen, in einem grünlichen Nebel gehüllt, der die Dunkelheit für einen Augenblick durchschnitten hatte. Eine dunkle Kraft, Böse und Grausam war in diesen Sumpf eingedrungen, die die Raben in Aufregung versetzte. Den sensiblen Tieren entging nicht die Gefahr. Weit unter ihnen schälte sich eine Gestalt aus dem Nebel. Dem grünen Nebel.


    Kein Land für Lebende! Das waren die Gedanken des einsamen Mannes, als er zwischen den knorrigen Leibern verdorrter Bäume in Richtung des grünen, fahlen Lichts stapfte. Eingehüllt in einen weiten Kapuzenmantel war sein Gesicht nicht zu erkennen. Seine Schritte erzeugten schmatzende Laute auf dem modrigen, zerfallenen Laub. Es bildete eine schwammige Masse, die den Gestank nach Fäulnis absonderte. Trotzdem bewegte der Mann sich fast lautlos. Der Odem der Vergänglichkeit war allgegenwärtig. Dieser Teil der Welt atmete Trostlosigkeit und Verfall. Durch die grünen Nebelschwaden war der Fremde kaum zu erkennen. Über der linken Schulter hing der Kescher für die Pfeile, den Bogen trug er über der Rechten. Im Gürtel, den er um seine Taille trug, waren noch die Scheide eines Schwertes und die eines Dolches zu erkennen. Es war nicht mehr weit bis zu dem Licht. Er wusste dass er erwartet wurde. In der Höhe erkannte er die Raben, die Aufgeregt das Weite suchten. „Ja“, dachte er bei sich, die Tiere sind schlauer. Dann erreichte er sein Ziel.


    Der grünliche Nebel verdichtete sich und ganz langsam schälte sich eine Gestalt aus den Schwaden. Immer wieder zerflossen die Ränder und wurden durchsichtig, doch im Zentrum war die Gestalt schon schemenhaft zu erkennen. „Du bist gekommen, Warin“. „Ja mein Herr“, war die Antwort. Kein Laut hatte jedoch die Stille, ausgenommen dem Gurgeln und Schmatzen des Sumpfes, durchbrochen. Dies Unterhaltung spielte sich Gedanklich ab. Ein einzelner Rabe war geblieben, alle anderen geflohen. „Dieser hier gehört zu mir“, hörte er die gedankliche Antwort aus dem Nebel. Erst dann entdeckte der Fremde die grünen Augen des ansonsten pechschwarzen Vogels. Diese musterten ihn und schauten direkt in sein Inneres. Jedenfalls kam dem Fremden dies so vor.


    „Ich habe vor gefühlt“, kamen die Gedanken aus dem Nebel. „Allerdings bin ich noch zu schwach um die Menschen komplett zu manipulieren. Doch konnte ich durch ihre Augen zumindest einen Blick auf unsere Feinde erhaschen. Angrosch ließ mich sogar in einen seiner Tempel, aber wohl nur um zu erfahren mit wem er es zu tun hat. Er hat den Gedanken an mich vielleicht aus seinem Gedächtnis verbannt, doch wird er sich bald an mich erinnern. Wenn er es nicht jetzt schon getan hat. Es war ein Fehler zu versuchen die Zwerge durch nutzlose, schwache Menschen zu beseitigen. Aber es ist nun mal geschehen. Ich bin noch nicht stark genug. Sende deine Späher aus um diese Zwerge aufzuhalten. Ich brauche noch etwas Zeit. Halte sie auf. Sie haben Ferdok in Richtung Norden verlassen. Nimm Broschin mit, das ist der Name des Raben. Erstatte mir in fünf Tagen Bericht. Noch eines: Ich will auch den Kopf dieser Frau. Aber passe auf. Sie ist eine Tochter der Morrigan, eine Halbgöttin. Sie wird nicht leicht zu töten sein“.


    „Ich bringe dir den Kopf und die der Zwerge“. Der Fremde hatte jetzt doch laut gesprochen. Dabei war die Kapuze etwas nach hinten gerutscht und man konnte ein fahles fast, weißes Gesicht erkennen. Über die Linke Gesichtshälfte verlief einen Narbe, die am Mundwinkel begann und fast bis zum Auge führte. Und diese Augen leuchteten in einer blutroten Farbe. Selten sah man Abkömmlinge dieser Rasse. Wenn doch, konnte man es keinem erzählen, denn Tote sprechen nicht. Die Nebelschwaden zogen sich zurück, zumindest die grünlichen. Der Fremde machte kehrt, der Rabe folgte ihm. Er schaute kurz zu dem gefiederten Wesen und lächelte. Tiere sind bessere Verbündete als die schwachen, einfältigen Menschen.


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  • Kapitel 30



    Was wird(T) das?



    Als die Zwerge den Schankraum verlassen hatten, lugte der Wirt noch einmal durch die dreckigen Scheiben nach draußen. Er bemerkte niemanden und so schloss er die Türe ab. Er zog noch schnell die vergilbten Vorhänge vor und dann begab er sich zu einem etwas verdeckt stehenden Tisch. Er blickte sich nochmals um. Er war alleine. So rutschte er den Tisch etwas zur Seite, fasste an dem Balken an der Wand und fand zielsicher den Hebel. Diesen zog er zurück und ein leises Klicken war zu hören. Nun bückte er sich, lächelte und zog an dem herausgesprungenen Ring, der bei dem Umlegen des Hebels zum Vorschein gekommen war. Ein leises ächzen war zu vernehmen. Mit einer Kraftanstrengung zog er die Falltüre nach hinten. Ein viereckiges Loch erschien im Boden des Schankraumes. Er musste grinsen, als er daran dachte, dass schon viele ahnungslose Gestalten den Weg nach unten angetreten waren. Zumeist wurden sie betrunken gemacht, betäubt und dann durch die Falltüre hinunter gelassen. An Bord irgendeines Schiffes kamen die armen Seelen wieder zu sich. Es war ein lukrativer Nebenerwerb. Aber heute diente es einem anderen Zweck.


    Er schielte hinunter und vernahm ein Knurren. „Gerold“, rief er in das Loch. „Ja“ kam es zurück. „Ich bin hier“ Eine magere Gestalt erschien unter dem Loch. Er trug ein wohl ehemals weißes Hemd, das viele Löcher aufwies, auch die Hosen waren sehr zerlumpt. Er ging Barfuß und in der rechten Hand hielt er eine Fackel. Im diffusen Licht konnte man ein eingefallenes Gesicht erkennen. Die Augen waren seltsam matt und schienen sich in Halbdunkel wohler zu fühlen als in der Sonne. „Komm hoch und hilf mir, es gibt etwas zu tun“, sprach der Wirt ihn an. Gerold tat wie ihm befohlen war. Umständlich stieg er die steile Leiter nach oben, zwängte sich durch das Loch und stand im Schankraum. Er schaute sich kurz um und sah die vier Toten. Er deutete auf sie und fragte den Wirt, „Was machen wir mit denen?“ „Erstmal hinunter mit ihnen. Dann sehen wir weiter ob wir sie ihm geben.“ Gerold nickte, fasste den ersten bei den Beinen und zog ihn zur Falltür. „Lass sie einfach hinunter fallen. Sie spüren nichts mehr.“ Alle vier traten den gleich Weg nach unten an. Sie wischten noch schnell den Boden einigermaßen sauber und stiegen dann zusammen nach unten. „Und nun?“ fragte Gerold. „Was ist denn eigentlich passiert?“ fragte Gerold noch. Der Wirt zuckte mit den Schultern. „Sie bekamen grüne Augen und standen mit gezogenen Waffen auf und wollten sich auf die Zwerge stürzen. Aber diese waren wohl sehr Kampferfahren. Sie hatten keine Chance.“

    „Grüne Augen?“ staunte Gerold, „ich dachte dies wäre eine Legende.“ „Nein,“ antwortete der Wirt. „Er ist auferstanden und er wird zurück kehren. Wir sollten die Vorbereitungen treffen.“


    Sie schleiften die Toten in einen dunklen kühlen Raum. Lange konnten sie hier nicht liegen. Entweder mussten sie die Matrosen zum Ausgang schaffen und im Meer entsorgen, oder....Er dachte den Gedanken gar nicht fertig als beide das Grummeln und stöhnen vernahmen. Sie schauten sich an. „Er erwacht und möchte sich wohl bald stärken. Damit hat sich das Problem erledigt, glaube ich. Wir sollten uns beeilen und alles so schnell wie möglich herrichten, damit er zu seinem Herren zurück gehen kann.“ Gerold nickte und sie begannen mit den Vorbereitungen.



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  • Kapitel 31



    Xisa Teil 1


    „Wo wollt Ihr denn hin?“


    - Stille


    „Sagt schon! Diese Straßen können gefährlich werden…! Wir wollen euch nur etwas Ballast

    abnehmen, sagen wir die Hälfte der Rationen!“


    - Stille


    „Wenn Ihr nicht hören wollt, so müsst ihr mit Konsequenzen rechnen, vielleicht nehmen wir ja doch mehr als nur euer Proviant. Also sag uns, wer seid Ihr und wohin wollt ihr!“


    „Mein Name und mein Anliegen werde ich euch nicht nennen! Ihr werdet mich durchlassen oder das wird blutig enden! Ganz einfach!“


    Die Mittagssonne versuchte das Tal zu erhellen doch wurde von dichten grauen Wolken in ihrem

    Vorhaben unterbrochen. Ein langer und schmaler Weg führte den Nordosten von Ferdok und den

    Westen von Luring zusammen. Einige einsame Fichten und Kiefernwälder standen verloren in dieser Landschaft. Der Weg führte direkt durch einen dieser Wälder hindurch. Es war ein ungewöhnlich kalter Mittag und es stünde noch ein halber Tag Reise bevor. Der Wanderer stieg von seinem Ross, um ihn herum war es still geworden. Einige Vögel zwitscherten immer noch unnachgiebig eine eher bedrückende und traurige Melodie. Insekten und Kleintiere wühlten den Waldboden auf und verkrochen sich in diesem als der Wanderer sein Fuß auf den Boden setzte. In unregelmäßigen Abständen zog ein Windstoß über den Waldboden, als würde er auch sämtliche andere Waldbewohner warnen wollen.


    „Euer Mantel ist zerfetzt, euer Schwert zerbrochen und euer Sattel rissig. Aber das Gesicht ist sauber und eure Satteltasche ist groß und reichlich gefüllt. Ihr kommt bestimmt wie die anderen Flüchtlinge aus Luring, und bringt Lurings Almosen direkt in unser Lager… Danke!“


    Etwa gute zehn Meter gegenüber des Wanderers standen drei Personen den Weg blockierend.

    Offensichtlich Räuber oder Banditen. Der Wanderer schaute sie sich genauer an. Der erste war ein breiter ausgewachsener Mann. Dunkle Sonnen gebrannte Haut, Glatze, Bärtig und beharrt an jeder sichtbaren Stelle des Körpers, ein großes eingebildetes Lächeln strahlte aus seinem Gesicht heraus und gab gelbliche, kaputte und teilweise faulige Zähne preis. In seiner rechten Hand umklammerte er mit allen fünf Fingern eine kleine, aber scharfe Streitaxt und der linke Arm verlief nur bis zum Ellbogen, wo er in eine Art Klumpen zusammenwuchs.

    Die zweite Person war ein schmächtiger und viel kleinerer Mann mit langen feuchten braunen

    Haaren. Er war schlecht rasiert und stank bestialisch. Sein Gesicht war mit Narben übersäht und sein rechtes Auge war stets nur halb geöffnet. Sein Gesichtsausdruck war eher gelangweilt und abwesend. Er schaute kaum zum Wanderer sondern blickte immer wieder in die Ferne in den Wald, als würde er dort etwas erwarten oder suchen. Bewaffnet war er mit einem Bogen, den er in der Hand trug, Pfeile in einem Köcher auf seinem androgynen Rücken und ein stumpf aussehender Dolch der an seinem Bein befestigt war.

    Die dritte Person war wider Erwarten eine junge Frau mit kurzen roten Haaren. Sie sprach zum

    Wanderer und schien die Herrin dieser Gruppe zu sein. Sie hatte breite Schultern für eine Frau und machte generell einen sehr maskulinen Eindruck. Ihre Kleidung war nicht so dreckig und zerrupft wie die der anderen Räuber. Ihr fehlte ein Ohr sowie das linke Bein, wobei sie sich aus scheinbar Zwergenmaterialien eine Art Prothese gebaut hatte, die allerdings auch bereits einige Dellen, Löcher und Schnitte darbot. An ihrer Hüfte hing locker und fast schon lose ein Schwert in seiner Scheide.

    „Ich möchte nicht kämpfen! Ich komme aus Luring und möchte nach Ferdok reisen. Ich verbrachte die Nacht in einem Wirtshaus, deshalb bin ich sauber. Meine Satteltasche ist nicht mit Proviant gefüllt, aber ich werde es euch nicht beweisen können, also lasst mich passieren… Einige hundert Meter in diese Richtung liegt euer Lager. Ist das richtig?“, der Wanderer zeigte in die Tiefen des Waldes.

    „Ja, woher wisst Ihr das?“, entgegnete die rothaarige Frau.

    „Euer schlaksiger kleiner Freund hat euch verraten er schaut die ganze Zeit in diese Richtung. Ich

    zähle nur eins und eins zusammen! Mit euch nehme ich es auf! Und da Räuber in solchen Zeiten nicht das Recht haben Arme weiter auszurauben kümmere ich mich danach um den Rest von…“,


    Der Wanderer verfiel in Schweigen. Die rothaarige Räuberin zog Ihr Schwert aus der Scheide und zeigte es in die Richtung des Wanderers:

    „Euch hat es wohl doch die Sprache verschlagen. Ist Euch eingefallen, dass Ihr weder bewaffnet noch in der Überzahl seid? Ihr könnt es nicht mit uns aufnehmen. Gebt uns euer Proviant oder euer Leben!“

    „Euer… Lager… steht in Brand…“


    Knistern – des Feuers das inmitten des Waldes tobte.

    Klirren – der Klingen die inmitten der Flammen aufeinanderstießen.

    Krachen – der brennenden Holzdielen die zu Boden fallen.

    Kreischen – der Menschen die in diesem Wald gerade das Leben ließen


    Die drei Räuber starrten den Wanderer an, während er fast schon flüsternd die Worte sprach.

    „Ich höre euer Lager… es wird angegriffen, ich kann ein paar Dutzend individuelle Herzschläge

    erkennen… aber es werden stetig weniger!“


    „Vielleicht sehen wir nicht aus wie der normale feine Herr. Aber für dumm lassen wir uns nicht

    verkaufen!“

    „Sie brüllen einen Namen… Du bist Xisa oder? Sie brauchen dich. Lass mich passieren und schau nach deinen Leuten.“

    Die rothaarige Räuberin schien entsetzt und versuchte etwas zu erwidern doch bekam außer

    undeutliches stottern nichts heraus. Die zwei anderen starrten sie an, als würden sie Befehle

    erwarten.

    „Woher kennt Ihr meinen Namen? Keiner außerhalb unserer Gruppe hat diesen Namen je zu Ohren bekommen und alle von unserer Gruppe sind in unserem Lager. Es ist unmöglich, dass solch eine Info einem zufälligen Reisenden zugespielt wird. Außerdem fand bisher niemand unser Lager und selbst wenn, ein Angriff ist schier unmöglich. Wir haben Mauern und eine Menge Wachen. Niemandem wäre es das Wert für ein paar Außenseiter wie uns!“

    Der Geruch von Feuer passierte die Straße und es wurde einige Momente still. Die drei Räuber sprinteten los in den Wald und blickten nicht mehr zurück. Sie ließen den Wanderer dort stehen.

    Der Wanderer nahm einen tiefen Atemzug und hält diesen einen Moment inne, bevor er ihn wieder hinaus pustete. Oben über den Baumwipfeln patrouillierte Sunvaar im Kreis, kurz bevor er zum Sturzflug ansetzte.


    Als Xisa mit ihren zwei Kumpanen im Lager ankam, traute sie Ihren Augen nicht. Das halbe Lager war angezündet und brannte lichterloh. Dichter schwarzer Rauch stieg herauf und verdunkelte den eigentlich sowieso schon tristen Tag noch weiter. Einige Leichen lagen auf dem Boden und Blut tropfte von sämtlichen Oberflächen. Vereinzelt hörte man einige Kinder weinen die Schutz in den noch nicht von Flammen verschlungenen Häusern suchten. Inmitten des Lagers ein kleines

    Schlachtfeld in denen sich Krieger bitterlich bekämpften. Die eine Fraktion schien um einfaches

    Überleben zu kämpfen, während die andere Fraktion aus Wut und Hass heraus zu handeln schien. Beide Fraktionen schienen ähnliche Klamotten zu tragen, ähnliche Waffen zu schwingen und auch ähnlich wenig Kampferfahrung zu haben. Der größte Unterschied lag aber in den Augen. Die Angreifer hatten Giftgrüne dunkle aber leuchtende Augen die erst mit dem Lebensgeist zusammenerloschen.


    Xisa brüllt ihren Männern einige Worte zu und sie rannten, ohne zu zögern ins Lager um dort hilflose Menschen zu retten und aus dem Lager zu schaffen, während sich Xisa den Angreifern stellte und den Verlust reduzieren wollte. Doch gegen den Hass und die Kraft der Angreifer hatte auch sie nicht viel entgegenzuwirken. Xisa konnte nicht mit voller Konzentration kämpfen, denn jedes der Gesichter durch das sie ihr Schwert zog gehörte zu ihren Leuten. Xisa kämpfte dennoch unnachgiebig gegen die Verwirrten Leute. Sie parierte sämtliche Angriffe mit ihrem Schwert doch verlor es als sich drei Kämpfer mit unbändigem Zorn auf sie stürzten. Mit Tränen erfüllten Augen wurde sie umzingelt. Der unerbittliche Kampf ums reine Überleben stünde nun vor dem Ende.

    Ein Pfeil flog in das Geschehen. Zwischen Bäume hindurch und über unzähmbare Flammen hinweg manövrierte sich der Pfeil in einem absurden Tempo in sein Ziel. Der Pfeil stieß einem

    Kämpfer unmittelbar vor Xisa, in die rechte Schläfe woraufhin der Pfeil aus der linken wieder

    heraustrat und auch das Haupt seines Nebenmannes durchbohrte. Zeitgleich flog Sunvaar von den Baumkronen herab, um verzauberten Kämpfer zu entwaffnen und abzulenken. Er flatterte

    mit seinen Flügeln vor dem Gesicht der Angreifer um diese zu desorientieren oder pickte mit seinem Schnabel einige kleine Wunden in die Beine und Rücken der Angreifer. Xisa nutzte die kurze Verschnaufpause um nach ihrem Schwert zu greifen und sich wieder aufzurichten. Währenddessen erreichte auch der Wanderer das Lager. Er rief Xisa zu: „Du musst sie töten, sie werden nicht auf wundersame Weise wieder zu Sinnen …“


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  • Kapitel 31


    Xisa Teil 2


    Ein Hieb unterbrach den Wanderer in seiner Ansprache dem er gerade noch so nach hinten ausweichen konnte. Mit seinem Schwert bewaffnet glitt er über den Boden einen Schritt nach hinten bückte sich und stieß sein Schwert von unten durch den Kiefer des Angreifers. Ein weiterer Kämpfer versuchte den Wanderer mit seinem Spieß zu verletzen und stieß diesen in Richtung Brust des Wanderers. Doch dieser drehte sich weg von dem Stoß, sodass er mit dem Rücken zum Lanzenträger stand. Er umklammerte den Speer zwischen Brust und seinem rechten Arm und hielt ihn so fest. Er rotierte sein Schwert in seiner Hand, um die Klinge nach unten zu führen. Mit einem kräftigen Ruck gelang es ihm, den Angreifer zu ihm zu ziehen und rammte ihm das Schwert in seine Bauchgrube. Keinen einzigen Laut gaben die verzauberten Kämpfer von sich. Kein Schmerzendes Grölen. Kein donnerndes Grunzen. Nur ein flüsterndes und spuckendes Gemurmel war zu vernehmen. Die Lage beruhigte sich und die Kämpfer konnten mit der Hilfe des Wanderers geschlagen werden.

    Xisa sammelte ihr Leute und befahl ihnen das Feuer in den Griff zu bekommen um den Wald zu

    beschützten. Zeitgleich signalisierte sie dem Wanderer herzukommen, indem sie auf ihn zeigte und

    ihren Zeigefinger erst ausstreckte, um ihn dann wieder einzuziehen. Es war wieder etwas still geworden. Die Überlebenden schienen zu schweigen, selbst die Kinder hörten auf zu weinen und nur das bedrückende Lied der Vögel war in der Ferne zu vernehmen sowie das Knistern der mittlerweile sterbenden Flammen.

    „Sprich! Erkläre dich!“ Xisa schaute den Wanderer mit großen erwartungsvollen Augen an.

    „Ich sagte euch bereits, woher ich komme und wohin ich gehe. Deinen Namen habe ich gehört als

    deine Leute nach dir gerufen haben.“

    „Du hast also ein verdammt gutes Gehör. Aber warum hilfst du uns?“

    „Ihr seid keine Banditen, vielleicht nur etwas unbeholfen. Jeder von euch hat eine Verletzung oder

    eine Missbildung. Ihr seid Verstoßene da haben wir was gemeinsam.“ Der Wanderer beugte sich

    herunter zu Sunvaar, der soeben dort landete und zu ihm herauf blickte. „Mein Freund hier hat mir

    erzählt es ginge um verbotene, alte Magie. Ich selbst kenne diese Magie nicht doch habe bereits

    ähnliche Erfahrungen sammeln können und wollte sehen, was es damit auf sich hat. Wenn ihr

    wirklich keine schlechten Menschen seid, hättet ihr Unterstützung verdient.“

    Xisa hielt einen Moment inne. Ihr blick rotierte zwischen den verbrannten Häusern und die die noch in Takt sind. „Was ist das für eine Magie, die Menschen befällt und ihnen einen solch grausamen Willen aufzwingt?“

    „Das weiß ich nicht. Noch nicht. Ich hoffe bei Ferdok meine Antworten zu finden. Ihr solltet euch ein anderes Lager suchen. Und die Räubereien ruhen lassen. Ich weiß es sind schwere Zeiten, Luring nimmt Flüchtlinge auf, und sagt nicht ihr wäret nun etwas anderes.“

    „Danke Reisender, für alles!... Dürfte ich fragen wie du heißt…?“

    Xisa versprach dem Wanderer nach Luring zu reisen um Hilfe zu suchen. Der Wanderer gab Xisas

    Gruppe aus seiner Tasche zwei goldverzierte zwergische Schmuckstücke mit, um die Finanzierung des neuen Lebens zu erleichtern


    Am späten Abend erreichte der Wanderer die Küste des Großen Flusses und somit Ferdok.


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  • Kapitel 32


    Aufbruch nach Norden


    Die Zwerge gingen durch das Tor durch das sie Ferdok auch betreten hatten. Dann wandten sie sich nach Süden um die Stadt zu umgehen. Sie hätten auch ein Schiff chartern können, aber der Gedanke daran, keinen festen Boden unter ihren Stiefeln zu wissen, ließ sie diesen gleich wieder verwerfen. Außerdem war es schwer eine Überfahrt zu bekommen. Sie umgingen die Stadt in südlicher Richtung und umrundeten diese. Sie überquerten den großen Fluss und wandten sich wieder nach Norden. Der Fluß lag jetzt links von ihnen. Rechts war eine hügelige kahle Steppe, die allerdings nicht sehr weit einsehbar war. Das Pony machte einen guten Eindruck, mehr Angst hatte Klamdor um den Karren. Dieser ächzte in allen Scharnieren und es hörte sich an, als wolle er jeden Moment in seine Bestandteile zerfallen. Dieser war auch schwer beladen mit Proviant und auch Waffen, die gut verborgen waren. Die Amulette hatten sie angelegt, obwohl Klamdor nicht wusste, wie sie benutzt wurden. Zuerst gingen sie schweigsam. Balum hielt die Umgebung im Auge. Unauffällig blickte er in jede Richtung. Sogar nach oben schielte er ab und zu. Barlok und Girlik hingen ihren Gedanken nach. Klamdor unterbrach die Stille, „Wie es wohl Loulu ergeht?“ fragte er wohl mehr sich selbst und war deshalb auch überrascht, als er eine Antwort erhielt. „Bestimmt ganz gut. Es wird eine Weile dauern das Zeugs in der Phiole zu untersuchen.“ Es war Girlik, der geantwortet hatte. Klamdor nickte.


    Nach einiger Zeit kamen ihnen Menschen entgegen. Wie es aussah waren es Flüchtlinge. Zerlumpt, nur einige Habseligkeiten auf Karren, die noch schlimmer aussahen als ihr eigener. Sie betrachteten die Zwerge mir Argwohn und so mancher stieß einen Fluch aus. Die Kinder weinten, die Augen der Erwachsenen spiegelten das Leid und die Furcht wieder. Bettelente Hände streckten sich manchmal Ihnen entgegen. Hunger und Müdigkeit machten jenen schwer zu schaffen. Die Zwerge verteilten etwas Schwarzbrot und Trockenobst, vor allem für die Kinder. Allmählich wurden die Flüchtlinge weniger. „Wir machen hier Rast“, entschied Klamdor. Balum ging einen Hügel hoch, schaute sich um und kam wieder zurück. „Man kann nicht weit sehen. Die Landschaft ist zu hügelig. Auf der anderen Seite ist der Wald. Wir müssen aufpassen nicht überrascht zu werden.“ Klamdor nickte und biss ein Stück Dörrfleisch ab. Wenn Loulu hier wäre könnte sie aus der Luft aufklären. Aber Girlik hatte Recht, es würde noch etwas dauern bis sie wieder zu ihnen stoßen würde. Barlok versorgte das Pony, dann aßen sie schweigend.


    Sie hatte sich schon ein gutes Stück von Ferdok entfernt. Klamdor bemerkte, das Balum immer unruhiger wurde. Vor ihnen erschien nun auch auf der rechten Seite ein Wald. Als sie jenen erreichten kam Balum zu Klamdor. „Rechts im Wald ist eine kleine Lichtung. Dort sollten wir unser Nachtlager aufschlagen. Es ist besser etwas abseits der Straße zu lagern.“ Klamdor nickte. Die Angroschim steuerten die Lichtung an und schlugen ihr Lager auf. Sie versorgten das Pony. Auf ein Feuer verzichteten sie. „Wir sollten abwechselnd Wache halten,“ sprach Klamdor. „Ich übernehme die erste.“ Alle anderen nickten und begaben sich zur Ruhe. Balum kam noch einmal zu Klamdor.


    „Etwas folgt uns. Ich kann nicht sagen wer oder was. Wer oder was es auch immer ist, es ist sehr geschickt und bewegt sich lautlos. Ich kann ihn auch nur spüren. Eine Aura, etwas was wir in Xorlosch lernten. Diese kommt mal näher und dann entfernt sie sich wieder. Aber sie bleibt in unserer Nähe. Klamdor, wir müssen aufpassen. Wir dürfen nicht den kleinsten Fehler begehen.“


    Balum hatte sich zurück gezogen und Klamdor dachte über das Gehörte nach. Auch war er bei Loulu. Wie sie wohl vorankam? Was würde noch alles passieren? Wer war der geheimnisvolle Fremde? Wo würden sie ihn treffen?


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  • Kapitel 33


    Die Waldhütte


    Aldana und Loulu flogen nach Norden über einen dichten Wald der rechts des großen Flusses lag. Nach einiger Zeit begann Aldana weite Kehren zu fliegen, die in einem immer enger werdenden Durchmesser endeten. „Wir landen auf dem Baum dort“, hörte sie Aldana gedanklich. Loulu folgte ihr und auf einem kahlen Ast ließen sie sich nieder. Schweigend beobachteten sie die Umgebung. Loulu hatte die Hütte mit ihren scharfen Augen schon ausgemacht. Wieder spürte sie Aldana`s Gedanken, „Wir müssen vorsichtig sein,“


    Eine Weile geschah nichts und trotzdem bewegte sich Aldana nicht. Urplötzlich ließ sie sich fallen. Im Sturzflug schoss sie dem Boden entgegen, kurz davor breitete sie ihre Flügel aus, kam waagrecht und verwandelte sich blitzschnell in die junge Frau, die Loulu aus dem Laden kannte, rannte ein Stück nach vorn und kam vor der Hütte zum stehen. Loulu tat es ihr nach und auch sie kam an der Hütte an. Aldana lächelte, trat vor die Tür und murmelte ein paar Worte in einer Sprache, die Loulu sehr gut kannte. Die Tür sprang auf und Aldana betrat den dahinter liegenden Raum. Sie winkte, sodass Loulu ihr folgte. „Du bist sehr vorsichtig,“ entgegnete Loulu. Die Kräuterfrau nickte „Es sind gefährliche Zeiten, Schwester.“ Loulu schloss die Türe und Aldana entzündete einige Kerzen, indem sie jeweils mit dem Zeigefinger auf den Docht zielte und aus diesem sich dann ein kleiner Funke löste und sein Ziel fand.


    Die Hütte war größer als es von außen den Anschein hatte. Einige Türen führten in andere Räume. Eine dieser Türen steuerte Aldana an und bedeutete Loulu ihr zu folgen. Sie öffnete die Tür, ging hinein und es folgte das selbe Spektakel mit den Kerzen wie schon zuvor. Als er beleuchtet wurde gab er allerlei Gerätschaften frei. Hier waren einige Regale zu sehen, in denen verschiedene Flaschen und Dosen standen. Loulu ging auf eines zu und besah sich manchen Inhalt der verschiedenen Einmachgläser. Der Gedanke an eine Hexe wuchs in ihr als sie sah, was in so mancher Flüssigkeit schwamm. „Ich weiß was du denkst, Loulu, Tochter der Morrigan. Aber ich bin weder eine schwarze noch eine weiße Hexe. Ich bin fast wie du. Wir sollten uns ansehen, was dir Klamdor gegeben hat.“ Loulu nickte, kramte in ihrem Tuchbeutel und übergab ihr die Phiole mit der unbekannten gelblichen Flüssigkeit. Aldana besah sich den Inhalt und Loulu Flüsterte. „Willst du die öffnen? Vielleicht entweicht ein Gas und wir haben den Salat.“ Die junge Frau nickte, „Ich habe auch schon daran gedacht. Deshalb werden wir Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.“


    Loulu waren Magie und Alchemie nicht unbekannt, doch schien die Kräuterfrau wesentlich größere Kenntnisse zuhaben wie sie. Zudem war sie im Handhaben der Magie Loulu einiges voraus, was das anzünden der Kerzen verdeutlichte. Zwar hätte sie das auch hinbekommen, aber wohl nicht ganz so zielsicher und fein. Aldana Stellte die Phiole in eine Schale und sprach ein paar Worte in einer alten Sprache. Es legte sich ein feiner Dunst über die Schale mit der Phiole. Nun begann sie mit ein paar Handbewegungen das Fläschchen zu öffnen, allerdings ohne es zu berühren. Die Augen waren starr auf das gerichtet was vor ihr geschah. Sie begann mit einigen Versuchen und nach einiger Zeit fing sie an zu zittern. „Das ….gibt....nein, nicht möglich....“ Sie brach ab, ließ gedanklich von den Gegenständen ab, die sie zuvor aber in eine ungefährliche Lage brachte. Der Dunst blieb über dem Versuchsort bestehen.


    Sie drehte sich zu Loulu um und sagte, „Das erklärt einiges, aber nicht, wie die Orks in dessen Besitz kamen. Es gibt nur ein Volk meines Wissens die über diese Gabe verfügt. Und das sind die.....“


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  • Kapitel 34


    Die Erinnerung


    Ein unscheinbarer Zwerg ging durch die Gassen von Ferdok. Er verließ das Zwergenviertel und begab sich zielsicher in den Hafen. Er blickte weder nach links, noch nach rechts. Er schien ein festes Ziel zu haben. In den dunklen Nebenstraßen fand er dieses. Er schaute sich um, sah niemanden und rüttelte an der Tür. Verschlossen. Der Zwerg lächelte, denn nun war er gewiss, dass keine Fremden in dem Raum dahinter waren. Demnach gab es dann auch keine Zeugen.


    Er suchte in den Taschen, fand was er suchte und öffnete geschickt die Tür. Schnell huschte er hinein. Dann sah er sich um, aber der Raum war leer. Weiter hinten konnte er eine Falltür entdecken die offen stand. Er bewegte sich lautlos dorthin, was für einen Zwerg schon bemerkenswert war. Leises gemurmel war zu vernehmen und auch ein Knurren. „Hier bin ich richtig,“ dachte er. Der Blick nach unten war erfolglos. Da gab es nichts zu sehen. Er musste hinunter steigen. Auch dies geschah lautlos. Aus dem murmeln wurde Stimmen die miteinander sprachen. Sehr leise und fast schon angstvoll. Der Angroscho zog die Luft ein und es roch feucht, etwas nach Moder und ganz leicht nach einem ihn bekannten Duft. „Also doch“ dachte er und ging weiter. Die Stimmen wurden lauter aber das schien den Zwerg nicht zu interessieren. Wichtiger war, was hier unten noch lauerte.


    Halblinks vor ihm wurde ein Durchgang zu einem Nebenraum sichtbar. Aus diesem kamen die Stimmen. „Wir sollten ihn langsam füttern und nicht alle vier auf einmal. Du bringst ihm einen Toten und ich beginne mit dem Ritual damit er sofort mit seinem Meister in Kontakt treten kann.“ Der andere antwortete nicht, aber er schien etwas über den Boden zu schleifen. Wieder vernahm der Zwerg dieses knurren, dann Schmatz - laute und das bersten von Knochen. Der Zwerg blieb am Eingang stehen, schaute hinein und erkannte den Wirt und seinen Gehilfen. Sie standen mit dem Rücken zu ihm. Auf dem Boden lagen drei Tote und der Wirt schien seltsame Zeichen mit grüner Farbe auf den staubigen Boden zu zeichnen. Rechts erblickte er das Ungetüm. Grün, ein großes mit Reißzähnen ausgestattetes Maul. Geifer rann daraus hervor, vermischt mit Blut. Diese Gestalt war gut drei Meter hoch, hatte dunkelgrüne Augen, zwei lange Arme die in krallen haften Händen endeten. Diese Klauen konnten schon Oger zerteilen. Um die Baumstamm dicken Beine lagen verstärkte Ankerketten damit die Kreatur nicht weg konnte. An den Füßen glaubte er so etwas wie Schwimmhäute zu erkennen. Davor lagen die Überreste seines Mahls, eines Menschen. Es stank bestialisch und er fragte sich, wie die beiden das aushielten.


    Als er die Lage überblickt hatte begann er zu handeln. Er schien nicht die geringste Spur von Angst zu haben und betrat den Raum mit einem großen Schritt. „Stopp“ schrie er in den Raum. Der Wirt fuhr herum und unterbrach seine Arbeit. Gerold wollte sich sogleich auf ihn stürzen doch ein Wurfbeil traf ihn inmitten der Stirn. Gerold kippte zurück, in die Nähe des Monsters und wurde sofort von diesem gepackt und zerfleischt. Stille trat ein, das Monster lies die Reste fallen und fixierte den Eindringling. Regungslos starrte der Wirt erst auf den Zwerg, dann zu dem gefesselten etwas und den Überresten seines Gehilfen. „Von dir will ich nichts“ donnerte die Stimme des Zwerges in Richtung des Mannes. Die Kreatur schien zu erraten in welcher Lage sie sich befand und zerrte mit allen Kräften an den Ketten. Langsam lösten sich die Ösen, die mit der Kellerwand verbunden waren. Lange würden sie nicht mehr halten. Der Zwerg schritt auf den Mann zu und schickte diesen mit einem gezielten und wohl dosierten Schlag ins Reich der Träume. „Jetzt zu dir“ sprach er und wandte sich seinem neuen Ziel zu.


    Der Angroschim wuchs in die Höhe als die Verankerungen der Kette ihren Dienst versagten. Die Kreatur stürmte auf ihn zu. Plötzlich hielt der Zwerg einen überdimensionalen Kriegshammer in der Hand und war nun genauso groß wie sein Gegner. Er schlug zu und traf zielsicher den Kopf des Angreifers. Blitze zuckten hervor. Er hörte wie die schuppige Haut des Schädels nachgab und dieser zerbarst. Dunkelgrünes Blut strömte daraus hervor und hinterließ eine Lache auf dem Boden. Der grüne Nebel verflüchtigte sich und die Kreatur zuckte noch einige male bevor sie zur Ruhe kam.


    „Ich habe es geahnt, doch jetzt habe ich Gewissheit. Ich erinnere mich an dich. Du bist also erwacht. Nun gut, da habe ich in der Vergangenheit wohl einen Fehler begangen. Aber den werde ich wieder beheben.“ Er dachte an Klamdor und seine Begleiter. „Im Moment kann ich euch nicht mehr helfen. Außer.....“


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  • Kapitel 35


    Warins Befehle



    Warin ließ den grünen Nebel, der sich langsam auflöste, hinter sich zurück. Sein Blick fiel auf den Raben, der nun sein Begleiter sein sollte. Er zog die Kapuze wieder tiefer in sein Gesicht. Vorbei an abgestorbenen Bäumen bewegte sich Warin, ohne Geräusche zu verursachen, in Richtung Osten, wo ein kleiner Wald lag. Dort hatte er sich eine notdürftige Unterkunft hergerichtet. Diese war perfekt getarnt zwischen Bäumen und Felsen. Seine Gedanken wanderten zu den Zwergen. Diese würden wohl kein allzu großes Problem sein, obwohl er den Kampfesmut und Entschlossenheit der Angroschim kannte. Schwieriger würde es wohl mit dieser Halbgöttin werden. Er kannte noch nicht mal ihren Namen und wusste auch nicht, wo er suchen sollte. Vielleicht fand er sie ja bei den Zwergen. Es konnte nicht schaden, Moradasu aufzusuchen. Das musste allerdings warten. „Zuerst muss ich zum Lager und berichten,“ sprach er zu sich selbst.


    Er erreichte den Wald. Die Bäume standen zuerst etwas lichter und wurden allmählich dichter. Kurz bevor er den dichteren Wald betrat, blieb er stehen und lauschte. Nichts auffälliges. Er betrat den Wald, ging zielsicher durch das Geäst und erreichte nach wenigen Minuten die Unterkunft. Diese war nicht verwaist, denn im Schatten der großen Eichen und verdeckt durch die Felsen saßen zwei Gestalten. Diese hatten ebenfalls ihre Kapuzen weit ins Gesicht gezogen, so dass man ihre Gesichter nicht erkennen konnte. Neben sich hatten sie ihre Bögen griffbereit abgestellt. Warin gesellte sich zu ihnen, wohl wissend, dass er sich um das Lager und die Umgebung keine Sorgen machen musste. Die beiden schauten nicht einmal auf, als Warin zu ihnen trat und sich auf einem Baumstumpf niederließ.


    „Es ist alles ruhig. Die stinkenden Orks lagern etwas 5 Meilen östlich von hier. Und trotzdem kann man sie riechen und hören. Sie warten auf weitere Befehle.“ flüsterte der rechte von ihnen. „Wollt ihr nicht wissen wie es war?“ fragte Warin leise. „Du wirst es uns erzählen, Warin. Du machst das immer.“ Warin berichtete von dem Treffen im Sumpf. Die beiden hörten aufmerksam zu, ohne Fragen zu stellen. Als Warin seinen Bericht beendet hatte, zeigte er noch auf den Raben. „Broschin wird mich begleiten. Er fungiert als Übermittler.“ Beide blickten kurz auf. Im Dämmerlicht sah man die bleichen Gesichter und die Augen. Rote Augen. Auch sie gehörten zu Warin´s Volk.


    „Thalumm,“ sprach Warin den rechten der beiden nun direkt an, „du kümmerst dich um die Zwerge. Nimm eine Schar Orks mit und töte sie. Aber achte auf alles was da geschieht. Sollte die Frau bei ihnen sein, nimm dich in Acht. Sie scheint gefährlicher wie die Zwerge zu sein. Sie haben Ferdok verlassen und folgen dem Fluss in Richtung Norden. Du kannst sie nicht verfehlen.“ Thalumm nickte unmerklich, erhob sich und nahm seinen Bogen an sich. „Du kannst dich auf mich verlassen.“ Dann verließ er das Lager in Richtung der Orks. Nach wenigen Metern war er schon nicht mehr zu sehen. Er wurde eins mit der Natur. Dies war eine Eigenschaft, die alle von ihrem Volk eigen war.


    Warin blickte nun zu Iradim, dem zweiten seiner Gefährten. „Für dich habe ich etwas besonderes. Du kümmerst dich um diese Halbgöttin. Versuche herauszufinden, wo sie sich aufhält. Wenn sie nicht bei den Zwergen ist, muss sie woanders sein. Beginne in Ferdok mit deiner Suche. Aber lass sie am Leben. Sie gehört mir. Hast du mich verstanden?“ Iradim nickte. „Ich werde zu Moradasu gehen, vielleicht kann sie mir etwas über sie sagen.“ Iradim stand ebenfalls auf, nahm den Bogen und entfernte sich lautlos vom Lager.


    Warin blieb sitzen und dachte noch einmal intensiv nach. Es gab nicht mehr viele von seinem Volk und wenn sie scheiterten, würden sie ausgelöscht werden. Aber daran wollte er nicht glauben. Sie würden wie Phönix sich aus der Asche erheben und über die Lande herrschen. Die schwachen unterjochen und sich selbst zur führenden Rasse krönen. Ja, so sollte es sein. Er erhob sich von dem Baumstumpf und ging hinüber zum Lager. Er aß eine Kleinigkeit, hörte noch einmal tief in die Umgebung und versuchte etwas zu ruhen. Morgen würde er die Priesterin aufsuchen und er hoffte, einiges zu erfahren.


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